Noch in der Rente für die Rente pflegen und Flexirente nutzen

Rentnerinnen und Rentner sind von den Regelungen zu erhöhten Rentenansprüchen durch ehrenamtliche Pflege eigentlich ausgenommen – sie können die Pflege ja nicht „neben der Arbeit“ erbringen. Deswegen sieht es zunächst so aus, als könnten Menschen in voller Altersrente auch nicht davon profitieren, dass durch die sogenannte ehrenamtliche Pflege Rentenansprüche entstehen können.

Tatsächlich gibt es durch die Flexirente aber doch Möglichkeiten, die vor allem Rentner und Rentnerinnen mit niedrigem Einkommen nutzen sollten.

Flexirente bringt Möglichkeiten

Das Modell der sogenannten Flexi-Rente ermöglicht seit 2017 Rentnern und Rentnerinnen, neben der Rente zu arbeiten. Dafür wird mindestens 1 % der Rente gekürzt.

Durch die Arbeit verdienen „Flexirentner“ natürlich einerseits direkt Geld. Andererseits erhöhen sie durch diese Arbeit auch wieder ihre Rentenansprüche, denn in einem regulären Job zahlen sie weiterhin in die Rentenkasse ein. Sinn der Einführung der Flexirente war es, einen weicheren Übergang zwischen Arbeit und Rente zu ermöglichen. Wer sich noch fit fühlt, kann auch noch arbeiten und damit länger vorsorgen. So können ältere Menschen auch noch einige Lücken schließen, die sich vielleicht in ihrer Vorsorge ergeben haben.

Neu erworbene Ansprüche gelten jeweils ab sofort auch für die laufende Altersrente, werden aber nur jährlich aktualisiert (und rückwirkend ausgezahlt).

Pflegen in der Rente

Wer bereits in Altersrente ist, kann auf die Flexirente umsteigen und durch Pflege Ansprüche sammeln. Dazu müssen dann die gleichen Bedingungen erfüllt sein, wie bei anderen Pflegenden, die Rentenansprüche durch „ehrenamtliche“ Pflege sammeln.

Kurz gefasst: Die Pflege muss regelmäßig (mindestens 10 Stunden in der Woche in mindestens 2 Monaten im Jahr), unentgeltlich (also nicht beruflich) und für eine pflegebedürftige Person (mit Pflegegrad 2 oder höher) erfolgen. Die vollen Bedingungen finden Sie in unserem Artikel zu Rentenansprüchen durch Pflege.

Typisch ist der Fall einer Frau, die selbst keine hohe Altersrente bezieht. Sie pflegt ihren Mann, Nachbarn oder einen guten Freund. Weil sie dafür nicht bezahlt wird, kann sie überlegen, auf 1 % ihrer Rente zu verzichten und dafür höhere Rentenansprüche zu erwerben.

Rentenansprüche in der Flexirente erhöhen

Der große Vorteil des Modells ist, dass man höhere Rentenbeiträge sammelt. Wird man zum „Flexirentner“, hat man ja wieder „Arbeitszeit“, die durch Pflege aufgefressen werden kann. Die Beiträge zur Rentenversicherung werden also von der Pflegekasse gezahlt und erhöhen die monatlichen Rentenansprüche.

In der Praxis werden die aufgehäuften neuen Rentenansprüche jeweils im Juni eines Jahres für die letzten zwölf Monate ausgezahlt. Der Stand der Rente wird aber auch aktualisiert und ab sofort wird der höhere Betrag monatlich ausgezahlt. Wer weiter pflegt, erhöht auch im nächsten Jahr wieder seine Ansprüche und kann sich auf ähnliche Auszahlungen und Erhöhungen freuen.

Die Beträge sind zwar nicht enorm – zwischen 5 und 30 Euro pro Monat – aber können gerade für Menschen mit geringer Rente einen großen Unterschied ausmachen.

Für wen lohnt sich Pflegen in Flexi-Rente?

Für das laufende Jahr „lohnt“ sich der Umstieg, wenn die mögliche Erhöhung der Rentenansprüche mehr als ein Prozent der aktuellen Altersrente beträgt.

Insgesamt kann sich der Umstieg aber auch lohnen, wenn die Beträge sich nur knapp unterscheiden. Denn die zusätzlich erworbenen Ansprüche gelten lebenslang.

Ein Beispiel:

Herr Müller aus Dortmund bekommt eine Altersrente in Höhe von 710 €. Seine alte Nachbarin hat Pflegegrad 2 und Herr Müller teilt sich die Pflege mit einem Pflegedienst. Die Leistungen der Pflegekasse werden auch aufgeteilt in Pflegesachleistungen und Pflegegeld. Er pflegt seine Nachbarin für fünf Jahre. Danach zieht sie in ein Pflegeheim.

Wir ignorieren hier Veränderungen der Rente aus anderen Gründen.

Herr Müller bleibt bei seiner Rente

Wenn er weiterhin nur Rentner bleibt, bleiben seine Ansprüche jedes Jahr bei 710 €.

Herr Müller wird Flexirentner

Wenn Herr Müller Flexirentner wird und auf 1 % seiner Bruttorente verzichtet, sind das 7,10 €. Für die Pflege erwirbt er allerdings nur Rentenansprüche in Höhe von 7,09 €.

Trotzdem entscheidet er sich für das Modell. Wenn wir ignorieren, dass die erworbenen Ansprüche auch rückwirkend für das Jahr ausgerechnet und ausgezahlt werden, bekommt er im ersten Jahr nur 702,90 pro Monat. Im zweiten Jahr sind es allerdings schon 709,91 €, im dritten 716,94 €, im vierten 730,98, im fünften 730,98 und nach fünf Jahren hat Herr Müller seine Rentenansprüche auf 745,45 erhöht.

Rentenansprüche durch Pflege

Für viele kann sich der Umstieg auf die Flexirente vor allem langfristig lohnen. Wer absehen kann, dass er noch für eine Weile pflegen wird oder auch danach noch länger Rente bezieht, sollte das Modell auf jeden Fall für sich durchrechnen.

Ansprechpartner dafür sind die Rentenversicherung und die Pflegeversicherung. Bei der Planung von geteilter Pflege oder Übernahme aller Pflegesachleistungen durch uns, sind wir aber auch gerne für Sie da!

 

Crowdfunding: Gemeinschaft außerhalb vom Gesundheitssystem?

Crowdfunding könnte auch in der Pflege immer mehr Raum einnehmen. Denn das Gesundheitssystem ist nicht nur an vielen Stellen überlastet, es hat vor allem auch den Ruf eines überlasteten Systems: Viele Menschen erwarten keine schnelle Reaktion oder gute Entscheidung mehr von ihrer Krankenkasse. Auch der Zweifel an der Kompetenz von Ärzten und anderen Experten der Gesundheits- und Pflegebranche steigt.

Crowdfunding als Reaktion auf Gesundheits- und Bankensysteme

Die Folge: Viele Menschen wenden sich für schnelle Hilfe an die „Community“ oder „Crowd“ – also die Gesellschaft. Aber nicht über das klassische System der Krankenkassen, in die alle einzahlen, die können, und von der alle profitieren, die müssen. Sondern über Spendenaufrufe im Internet, bei denen Geld für die Therapien von Privatleuten gesammelt wird. In Amerika, wo kranke Menschen sich auf gar kein System verlassen können, ist dieser Trend noch ausgeprägter.

Eine andere Form von Crowdfunding betrifft die Entwicklung von medizinischen Geräten oder Hilfen zur Pflege. Dabei geht es den Unternehmern meist darum, die Finanzierung für ein Projekt zu sichern, für das sie sonst einen Kredit bei einer Bank aufnehmen würden. Während die Beurteilung der Tragfähigkeit von Projekten durch Banken langsam und oft sehr kritisch erfolgt, lassen sich private Investoren leichter durch schöne Videos überzeugen.

Risiken und Folgen von Crowdfundingprojekten

Crowdfunding läuft gerade in der Gesundheitsbranche nicht immer gut. In Amerika gibt es eine ganze Reihe von Beispielen für Crowdfundingaufrufe, die sich auf Therapien beziehen, die nicht oder nur in den wenigsten Fällen funktionieren. Das vergeudet Geld und unterstützt gleichzeitig Irrvorstellungen. Viele Menschen werden von den Spendenaufrufen, die beispielsweise homöopathische Therapien für ernsthafte Erkrankungen wie Krebs beschwören, beeinflusst. Auch wenn sie selbst nichts spenden, glauben sie den Versprechungen der Spendensammler. Sie wenden sich mit ihrer ernsthaften Krankheit dann nicht mehr an echte medizinische Experten.

Auch besteht natürlich ein größeres Risiko für Investoren bei Finanzierungsprojekten im Gesundheitsbereich. Unternehmen, die keine Finanzierung von Banken bekommen, haben oft kein überzeugendes Konzept ausgearbeitet. Sie wollen eine Idee verfolgen, aber nicht viel Zeit in die Vorbereitung investieren. Oder sie sind mit ihrem Konzept bereits bei Banken gescheitert.

Viele der Projekte scheitern auch im Crowdfunding – auch wenn es um Pflege-Themen geht.

Crowdfunding in der Pflege kann funktionieren

Diverse Medizinprojekte werden erfolgreich Crowd-finanziert und dann durchgeführt. Anlageprojekte gibt es nicht nur auf Indie-Finanzierungsseiten wie kickstarter, sondern auch Seiten aus Deutschland, die sich auf klare Finanzierungsprojekte spezialisiert haben. Unter den Angeboten von kapilendo.de finden sich viele Projekte – darunter einige in der Pflege, im Medizintechnikbereich und für Gesundheitsvorsorge.

Crowdfunding für die Pflege kann aber auch funktionieren! Dabei muss nicht immer das Internet die wichtigste Rolle spielen. 2016 haben beispielsweise Pflegekräfte aus unserem Pflegedienst gemeinsam mit einer Familie eine Spendenaktion aufgebaut, um Geld für eine winterfeste Rampe für eine Patientin zu sammeln.

Zusatzrente für pflegende Angehörige: Wissenswertes für mehr Geld

Pflegende Angehörige können zusätzliche Ansprüche für ihre eigene Rente aufbauen. Das ist wertvolles Wissen für die vielen Menschen, die ganz oder teilweise die Pflege von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn übernehmen. Denn anders als in anderen Fällen gelten hier nicht so scharfe Grenzen zur Beziehung zwischen Pflegepersonen und Patienten.

Pflegende Angehörige können höhere Rentenansprüche aufbauen

Wer regelmäßig relativ viel Zeit mit der Pflege einer Person verbringt und nebenbei nicht Vollzeit arbeitet, kann Rentenansprüche erwerben.

Einerseits in Form von „Wartezeit“, also Jahren, die als Arbeitszeit gelten. So können auch Menschen, die vorübergehend ihre normale Arbeit aussetzen, um ein Familienmitglied zu pflegen, weiter Rentenansprüche sammeln. Wer früher ein Jahr bei der Arbeit pausiert hat, um ein Familienmitglied zu pflegen, das durch Unfall, Krankheit oder Alter pflegebedürftig geworden ist, hat dieses Jahr für seine Rentenansprüche verloren – statt mit 65 konnte die Person also erst mit 66 volle Altersrente bekommen. Jetzt zählt die Pflegezeit wie Arbeitszeit.

Der zweite Bonus ist ein kleiner Beitrag zur Altersrente: Je nach Pflegegrad wird angenommen, dass die Pflege einer Tätigkeit mit einer Entlohnung von 562,28 bis 2 975 Euro entspricht, und die pflegende Person verdient die entsprechenden Rentenbezüge. Je höher der Pflegegrad, desto höher die Ansprüche. Am meisten gibt es, wenn die pflegende Person die Pflege allein übernimmt.

Die Voraussetzungen für Rentenansprüche für Pflegende

Pflegende, die die Zuschüsse „verdienen“ möchten, müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Die beziehen sich teilweise auf sie selbst, teilweise auf den Patienten oder die Patientin.

  • Die pflegebedürftige Person hat mindestens Pflegerad 2 und deswegen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung.
  • Die pflegebedürftige Person darf von einem Pflegedienst oder rein privat gepflegt werden – das hat nur Auswirkungen auf die Höhe der Ansprüche.
  • Die pflegende Person ist nicht beruflich, erwerbsmäßig mit der Pflege der pflegebedürftigen Person beschäftigt. (Pflegekräfte dürfen aber außerhalb ihrer Tätigkeit „ehrenamtlich“ (also ohne Bezahlung) eigene Freunde, Familie oder Nachbarn pflegen)
  • Die Pflege umfasst mindestens 10 Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung.
  • Sie passiert an mindestens zwei Tagen in der Woche.
  • Die Pflege dauert mindestens 2 Monate im Jahr.
  • Die Pflegende Person arbeitet in ihrem Beruf maximal 30 Stunden in der Woche.
  • Die Pflegende Person lebt in Deutschland, in der EU oder in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz.

Ausnahmen von der Rentenversicherung

Es gibt auch freiwillige Pflegende, die die Regelung nicht in Anspruch nehmen können. Das sind insbesondere Kinder unter 15 Jahren (sie können noch nicht arbeiten, also können sie die Pflege auch nicht auf Kosten ihrer Arbeitszeit ausüben). Außerdem alle, die die freiwillige Pflege im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres, des Bundesfreiwilligendienstes oder wegen einer Ordenszugehörigkeit ausüben – hier gelten andere Regelungen.

Eine weitere Gruppe, die grundsätzlich von der Regelung ausgenommen wäre, sind Pensionäre und Rentner, die selbst bereits die volle Altersrente beziehen. Auch sie sind von der Regelung ausgenommen, weil sie keine Arbeitszeit haben, von der die Pflegezeit abgeht.

Es gibt aber auch für Rentner die Möglichkeit, von der Pflege während der Rente zu profitieren und weitere Ansprüche zu sammeln – dazu mehr in zwei Wochen!

Der Weg zur Zusatzrente

Die Anrechnung der Ansprüche funktioniert fast automatisch – es genügt, sich bei der Pflegekasse zu melden. Weitere Fragen beantwortet auch die Rentenversicherung unter der kostenlosen Rufnummer 0800 1000 4800.

Wenn Sie bei der Pflege Hilfe benötigen, planen wir mit Ihnen gemeinsam auch gern, wie Sie die Pflege am besten gestalten. Wie viele Stunden pro Woche können und wollen Sie pflegen? Was möchten Sie dabei tun und welche Aufgaben können Sie uns überlassen?

Egal, ob wir schon für Sie tätig sind, oder Sie gerade noch nach einem Pflegedienst suchen: Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Wir finden mit Ihnen die beste Lösung für Sie!

 

Depression durch Überlastung – pflegende Angehörige sind oft überfordert

Die Pflege der eigenen Angehörigen ist nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch eine außerordentliche Belastung für pflegende Angehörige. Von den rund 3,3 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden weniger als ein Viertel stationär gepflegt. Und über 90 % der ambulant betreuten Pflegefälle werden – teilweise oder ausschließlich – vom größten „Pflegedienst“ der Nation versorgt: den eigenen Angehörigen.

Eine Situation, die das Leben der Angehörigen oft auf dramatische Art und Weise schlagartig verändert. Zum einen durch die enorme körperliche Belastung, zum anderen auf der seelischen Ebene: durch großen psychischen Druck, radikale Veränderung des Alltagslebens und fehlender Unterstützung in der Pflegesituation. Die Folge ist oft ein Burn-Out oder Depressionen.

 

Weniger Selbstbestimmung im Alltag

Wird plötzlich oder schleichend ein Familienmitglied pflegebedürftig, ändert sich für die pflegenden Angehörigen viel. In besonders extremen Fällen bestimmt die Pflege bei den Angehörigen „das ganze Leben“.
Während Angehörige durch die emotionale Bindung zur pflegebedürftigen Person auf der einen Seite besonders hingebungsvolle Pflege verüben, leidet der Job und das Familienleben unter dem Zeitmangel.

Viele müssen ihre Arbeit reduzieren oder sogar ganz aufgeben, nur etwa 20 % der pflegenden Angehörigen arbeitet zusätzlich noch in Vollzeit. Denn rund die Hälfte der pflegenden Angehörigen investiert mehr als zwölf Stunden am Tag in die Pflege.

 

Depression rechtzeitig erkennen

Weltweit leiden rund 350 Millionen Menschen an Depressionen – und pflegende Angehörige werden etwa um zehn Prozent häufiger wegen psychischer Leiden behandelt als die übliche Bevölkerung. Der schleichende Beginn einer Depression wird von ihnen oft nicht bemerkt, da meist der Patient im Mittelpunkt steht und weniger der Pflegende.

Meist empfinden Angehörige die Zeichen der Depression als „Nebenwirkung“ der Gesamtsituation. Schließlich leiden sie „aus gutem Grund“ an Schlafmangel, fühlen starken Druck und leiden an Überforderung. Die Folgen, Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Traurigkeit, scheinen nicht wie eine „Krankheit“, sondern die passenden Gefühle zur Situation. Das sind sie auch.

Eine Depression ist keine „verrückte“ oder absurde Reaktion auf eine belastende Situation. Genausowenig ist eine Erkältung eine „verrückte“ Reaktion auf Kälte, Bakterien und Stress.

Depression oder „nur Stress“?

Es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob eine Situation noch „nur Stress“ oder schon Depressionen auslöst. Die Betroffenen sind in einer belastenden Situation. Sie sehen „per Definition“ nicht unbedingt klar.

Ein erstes Kriterium ist Zeit: Wer für eine Woche besonders gestresst ist und sich danach wieder erholt, hat eher „nur“ Stress erlebt. Die Erholung ist wichtig und notwendig. Eine Depression ist meist längerfristig und Erholung scheint kaum noch zu helfen. Selbst wenn Betroffene einige Tage auf der Couch liegen oder durchschlafen können, fühlen sie sich dadurch nicht erholter oder besser.

Oft erkennen andere die Anzeichen eher. Denn viele depressive Menschen „verlernen das Lachen“ oder wirken dabei freudlos. Oder auch ständig unruhig aber ziellos. Viele Betroffene unternehmen erst dann etwas, wenn sie durch die Menschen in ihrem Umfeld aktiv auf Veränderungen und die möglichen Zusammenhänge zu einer Depression aufmerksam gemacht werden.

Hilfsangebote durch Pflegekurse

So mahnte die Präsidentin des deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Professor Christel Bienstein, in einer Stellungnahme zum aktuellen Pflegereport mehr Entlastung und Unterstützung für pflegende Angehörige an. Auch Krankenkassen zeigen sich engagiert. So bietet die DAK neuerdings einen kostenlosen online-Pflegekurs an, um es den Angehörigen im hektischen Alltag einfacher zu gestalten, an Unterstützung zu gelangen.

In Zukunft sollen außerdem überflüssige bürokratische Hürden verringert werden, um Angehörige frühzeitig zu entlasten.

Dabei soll die Last der Pflege weiterhin voll auf den Schultern der Angehörigen bleiben?

Über sieben Prozent der pflegenden Angehörigen denken darüber nach, die Pflege einzustellen. Weitere sechs Prozent wollen nur bei Erhalt zusätzlicher Unterstützung weiter pflegen. Auf der anderen Seite greifen aktuell nur die wenigsten auf existierende Hilfsangebote, wie z.B. kostenlose Pflegekurse, zurück. Maßgeblich, weil ihnen die Zeit dazu fehlt. In den meisten Fällen kümmern sich die pflegenden Angehörigen daher erst dann um Entlastungsmöglichkeiten, wenn es ihnen selbst durch die psychische Belastung bereits schlecht geht.

 

Echte Hilfe bei der Pflege

Alle Angehörigen können bei der Pflege echte Hilfe in Anspruch nehmen. Pflegedienste „übernehmen“ nicht einfach die gesamte Pflege.

Wir besprechen mit Ihnen genau, welche Aufgaben Sie gern abgeben möchten und welche Sie weiterhin selbst übernehmen können. Und wir sind flexibel: Bevor Sie richtig krank werden, können Sie die eigene Pflege auch für einige Wochen auf ein Minimum reduzieren. Wenn Sie erholt sind und Zeit hatten, die Pflege neu zu überdenken, können Sie wieder mehr Aufgaben übernehmen.

Pflegequalität und -Kosten nach Bundesland – wie gravierend sind die Unterschiede?

Pflege ist nicht gleich Pflege. Das betrifft zum einen die Art der Pflege – ambulant, stationär oder durch pflegende Angehörige – zum anderen aber auch die Qualität der jeweiligen Pflege und die Kosten, die dieser gegenüberstehen. Und diese Faktoren können von Bundesland zu Bundesland durchaus enorm variieren. Sie hängen neben den individuellen Qualitätsunterschieden verschiedener Pflegedienste oder -einrichtungen, vorrangig vom Wohnort des Pflegebedürftigen ab.

Pflegekosten im Vergleich zur Pflegequalität

In einigen Bundesländern zahlen Pflegebedürftige doppelt so viel zur Pflege dazu wie in anderen und es gibt keinen direkten Zusammenhang zur Qualität der Pflege.

Ist teure Pflege auch immer die bessere Pflege? Nicht unbedingt!

Stationäre Pflege

Wenn es um die stationäre Unterbringung in Pflegeeinrichtungen geht, lassen sich die Kostenunterschiede relativ gut erfassen. Den höchsten monatlichen Eigenanteil haben hier die Pflegebedürftigen im Saarland mit durchschnittlich 869 Euro zu zahlen, während in Thüringen gerade einmal 225 Euro zu entrichten sind. Der bundesweite Durchschnitt der monatlichen Kosten für die Unterbringung im Pflegeheim liegt bei rund 581 Euro monatlich.

Ambulante Pflege

Im Bereich der ambulanten Pflege gestaltet sich ein Vergleich der Pflegekosten hingegen schwierig, da sich die Inhalte der verschiedenen Leistungskomplexe je nach Bundesland unterscheiden. In vielen Bundesländern werden die Preise außerdem aus einer Kombination aus fixen Punktwerten pro Leistungskomplex und einem vom Pflegedienst verhandelten Punktwert berechnet. Unterschiedliche Pflegedienste bekommen also unterschiedlich viel Geld. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten wiederum Fixpreise, von denen nicht abgewichen werden darf.

Dennoch lässt sich auch in der ambulanten Pflege die Kostendiskrepanz der verschiedenen Bundesländer durch den Vergleich der Preise am Beispiel der „großen Pflege“ relativ gut abbilden. Für diesen Leistungskomplex werden in Rheinland-Pfalz 25,68 € gezahlt, während er in Mecklenburg-Vorpommern nur 14,41 € kostet.

Qualität der Pflege

Die Qualität der Pflege hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Eine gut messbare Zahl ist die Anzahl der Krankenhausfälle auf 100 Pflegebedürftige. Das sind in Mecklenburg-Vorpommern fast 150 Krankenhausfälle, in Baden-Württemberg lediglich 115. Dabei kostet die die große Pflege in der ambulanten Versorgung in Baden-Württemberg fast 9 Euro mehr.

Niedersachsen hingegen beweist, dass Pflege auch „gut und günstig“ sein kann. Der Eigenanteil liegt hier kostentechnisch im Mittelfeld, während die Pflegequalität ähnlich gut bewertet wird, wie in Baden-Württemberg.

Ausprägung der Pflegeformen nach Bundesland

Auch das Angebot an Pflegeheimen und der häuslichen Pflege variiert je nach Bundesland.

In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und den östlichen Bundesländern werden Pflegebedürftige vorwiegend durch ihre Angehörigen oder durch ambulante Pflegedienste versorgt. Ganz anders sieht es in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein aus. Hier werden überdurchschnittlich viele Pflegebedürftige stationär versorgt.

Und das, obwohl der Eigenanteil für Pflegebedürftige in Bayern enorm hoch, in Schleswig-Holstein hingegen am niedrigsten von allen Bundesländern ist. Das zeigt deutlich: die pflegerische Versorgung ist abhängig vom regionalen Angebot, nicht vom Bedarf des einzelnen.
Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse herrscht somit leider nicht.

Maßnahmen für mehr Pflege bisher als Einzel-Punkt-Lösungen

Mit dem Ziel, dieses Ungleichgewicht langfristig zu reduzieren, hat die DAK-Gesundheit ein Konzept für „Regionale Kompetenzzentren“ entwickelt. Im Sinne des Case Managements soll „die beste Versorgung für jeden einzelnen Pflegebedürftigen“ dadurch geschaffen werden, dass über das Zentrum alle an der Pflege beteiligten Akteure (Beratungsstellen, Pflegedienste, Ärzte, stationäre Einrichtungen) koordiniert werden.

Was dieses Konzept nicht ändert, ist das Kostendilemma. Dabei kann bereits an dieser Stelle ein großes Hindernis bei der Wahl der pflegerischen Versorgung beseitigt werden.

Bayern nimmt hinsichtlich der Kosten durch die Einführung eines Landespflegegeldes eine Vorreiterstellung ein. Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 bekommen seit September 2018 dadurch schnell und unbürokratisch 1.000 Euro zusätzlich. Das Programm soll die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe pflegebedürftiger Menschen stärken. Über 250.000 Menschen haben die Unterstützungsleistung bereits erhalten.

Welche Wirkung die zusätzliche Unterstützung hat, wie gut sie sich auf andere Bundesländer übertragen lässt und ob es dadurch tatsächlich zu spürbaren Besserungen kommt, bleibt abzuwarten.

Lösen osteuropäische Pflegekräfte den Pflegenotstand?

Viele Familien beauftragen Pflegekräfte aus Osteuropa mit der Betreuung ihrer Angehörigen. Sie haben selbst keine Zeit oder können sich nicht um die Pflege kümmern. Gleichzeitig scheinen die Pflegekräfte aus dem Osten wesentlich günstiger als Pflegekräfte aus Deutschland.

Aber auch hier gibt es auf beiden Seiten Schwierigkeiten – für Familien auf der Suche nach einer guten Unterstützung und für die Frauen (und gelegentlich Männer) aus Osteuropa.

Pflegekräfte aus Osteuropa

Die Pflege zuhause übernehmen in einigen Familien Pflegekräfte aus Osteuropa. Diese Bezeichnung bezieht sich speziell auf Frauen oder Männer, die aus osteuropäischen Ländern wie Polen nach Deutschland kommen, um bei Familien zu leben und mehr oder weniger rund um die Uhr als Gesellschafter/-innen, Pflegekräfte oder Haushaltshilfen zu arbeiten.

Die Lösung scheint angenehm für beide Seiten: Für Familien, weil sie wissen, dass jemand wirklich jederzeit da ist. Und für die Angestellten, weil sie einen Job gefunden haben, mit dem sie oft auch ihre Familie zuhause unterstützen können.

Leider nicht immer eine Lösung

Für viele Familien scheinen die Pflegekräfte aus Osteuropa ein Segen. Sie können sich endlich die Pflege leisten, die sie ihren Angehörigen wünschen.

Leider ist die Lösung nicht immer so optimal, wenn man hinter die Kulissen sieht. Auf der einen Seite durch weniger als optimale Arbeit – die „Pflegekräfte“ sind vielleicht gar nicht ausgebildet oder verstehen beispielsweise gar kein Deutsch. So ist die Betreuung auch eher schwierig. Andererseits durch schlechte Bedingungen für die arbeitswilligen Menschen: Sie zahlen an Vermittlungsagenturen einen großen Teil ihres Lohns, haben manchmal keinen einzigen Tag in der Woche frei oder sind schwarz beschäftigt.

Der große Preisunterschied zwischen einer Betreuungskraft aus Deutschland und aus anderen Ländern entsteht nicht zuletzt leider oft dadurch, dass die Verträge schlicht nicht legal sind. Werden Krankenversicherung und Rentenversicherung nicht abgeführt, wirkt das auf den ersten Blick natürlich billiger. Tatsächlich können die Kosten aber plötzlich explodieren: Beispielsweise bei Krankheit der Pflegekraft, einem Unfall oder wenn die Schwarzarbeit auffliegt und Strafen gezahlt werden müssen.

Hilfe bei der Pflege aus Osteuropa kann funktionieren

Pflegekräfte aus Osteuropa können aber natürlich in Familien auch legal und zu fairen Konditionen helfen. Dafür sollte man von Anfang an einen vernünftigen Arbeitsvertrag aufsetzen und auch auf Steuern und Versicherungen achten. Einige seriöse Agenturen helfen dabei. Es ist auch möglich, selbst zu suchen und jemanden einzustellen – die Verbraucherzentrale hat eine Übersicht zum Thema Haushaltshilfen aus dem EU-Ausland zusammengestellt, die sich damit beschäftigt. Die Kosten für so eine Haushaltshilfe werden bei ca. 38,5 Arbeitsstunden pro Woche mit etwa 2000 bis 3000 Euro pro Monat geschätzt.

Wichtig ist, dass die Hilfe meist tatsächlich „nur“ eine Haushaltshilfe ist: eine ausgebildete Pflegekraft kann nicht so leicht ersetzt werden. Aber auch die Haushaltshilfe ist für viele eine große Entlastung: Jemand ist oft anwesend, hilft bei alltäglichen Aufgaben und eben im Haushalt. So eine zusätzliche Hilfe kann sehr wertvoll sein und auch Angehörige bei der Pflege entlasten.

In der Intensivpflege beispielsweise kann jemand ohne die entsprechende Ausbildung allerdings wirklich die professionelle Pflege nicht ersetzen. Hier geht es um die Betreuung von Patienten, die oft rund um die Uhr beatmet werden müssen.

Herr Spahn auf der Suche nach Lösungen für den Pflegenotstand

Der Pflegenotstand verlangt offensichtlich weitere Lösungen, als „nur“ den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Minister Spahn hat immer wieder neue Ansätze. Seine aktuellste Idee ist, Pflegekräfte für Deutschland im Ausland auszubilden.

Herr Spahn hat dabei diverse Länder im Sinn. Er möchte Pflegekräfte in „Afrika, Fernost oder in Osteuropa“ ausbilden, die schon während der Ausbildung Deutsch lernen sollen. Herr Spahns Initiative kann aus mehreren Perspektiven kritisiert werden und wirkt vor allem vorm Hintergrund der kürzlichen „Freiwillige Rückkehr“-Kampagne des Ministeriums für Heimat wie eine zynische Erinnerung an frühere Gastarbeiter-Aktionen in Deutschland.

Anders als Aktionisten diverser Art freuen wir uns über Teammitglieder aus der ganzen Welt, die lang bei uns bleiben. Egal, woher Sie kommen: Bewerben Sie sich gern bei uns und wir besprechen mit Ihnen Ihre Möglichkeiten.

Kombinationsleistungen – was ist das?

Die Kombinationsleistungen der Pflegeversicherung sind nicht allen bekannt, die eigentlich Anspruch darauf haben. Dabei können einige Menschen mit Pflegegrad über die Regelungen zu Kombinationsleistungen zusätzlich Geld bekommen.

Kombinationsleistungen von der Pflegeversicherung bedeuten, dass man sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen bekommt – die beiden Leistungen also kombiniert. Das funktioniert, wenn Angehörige einige Pflegeaufgaben selbst übernehmen und andere von einem Pflegedienst durchgeführt werden.

Was sind ambulante Pflegesachleistungen und Pflegegeld?

Pflegesachleistungen sind alle Leistungen durch einen ambulanten Pflegedienst durchgeführt werden – man kann sich merken „Leistungen in Sachen Pflege“.

Pflegegeld ist ein monatlicher Betrag, den ein Pflegebedürftiger Mensch bekommen kann, wenn seine Angehörigen ihn oder sie pflegen. Das Geld soll sie für ihren zusätzlichen Aufwand entschädigen können.

Jeder pflegebedürftige Mensch bekommt einen Pflegegrad – je mehr Hilfe er oder sie benötigt, desto höher der Pflegegrad. Und je höher der Pflegegerad, desto höher die Ansprüche.

Bei Pflegegrad 1 gibt es nur Anspruch auf den Entlastungsbetrag und Beratung. Danach gilt:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro oder 316 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 3: 1298 Euro oder 545 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 4: 1612 Euro oder 728 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 5: 1995 Euro oder 901 Euro Pflegegeld

 

Kombinationspflege durch Kombinationsleistungen

Kombinationsleistungen bedeuten: Man muss sich nicht eindeutig zwischen Pflegesachleistungen und Pflegegeld entscheiden, sondern kann beides kombinieren.

Wer nur 75 % der Pflegesachleistungen in Anspruch nimmt, kann noch 25 % vom Pflegegeld bekommen.

Beispiel: Frau A. hat Pflegegrad 2. Ihre Familie teilt sich die Aufgaben mit dem Pflegedienst, deswegen arbeitet der Pflegedienst für 482,30 €. Frau A. nimmt also 70 % des ihr zustehenden Betrags für Pflegesachleistungen in Anspruch.
Wenn sie einen Antrag auf Kombinationspflege stellt, erhält sie 30 % vom Pflegegeld: monatlich 94,80 €.

Wie Sie Kombinationspflege beantragen

Jetzt wo Sie wissen, was Kombinationsleistungen der Pflegeversicherungen sind, bleibt nur noch, die Kombinationspflege zu beantragen. Wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie die Pflegesachleistungen voll ausschöpfen, fragen Sie bei Ihrem ambulanten Pflegedienst nach!

Wenn Sie gerade keine Auskunft erhalten können, oder die Leistungen monatlich stark schwanken, können Sie die Kombinationspflege trotzdem beantragen. Wenn die Pflegesachleistungen voll ausgeschöpft werden, erhalten sie dann einfach kein Pflegegeld.

Dazu müssen Sie beiden Krankenkassen einen einfachen Antrag stellen. Dafür genügt ein relativ formloses Schreiben, in dem Sie erwähnen:

  • Name, Adresse, Pflegeversicherungsnummer und Geburtsdatum des Versicherten
  • Bitte stellen Sie mit sofortiger Wirkung die Pflegeregelung auf Kombinationsleistungen um.
  • Monatlich werden zurzeit ___ Euro für Pflegesachleistungen eingesetzt.“ ODER „Ich kann nicht abschätzen, wie genau das Verhältnis zwischen Pflegesachleistungen und Pflegegeld aussieht.

Sie können Kombinationspflege bei vielen Versicherungen auch telefonisch beantragen. Halten Sie dann die oben genannten Informationen einfach bereit.

Hilfe bei Kombinationspflege

Manchmal überlegen Patienten auch andersrum. Sie erhalten bisher nur Pflegegeld und möchten jetzt zusätzlich die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch nehmen. Das Pflegegeld setzen Sie bis jetzt ein, damit ein Angehöriger an drei Tagen in der Woche die Fahrtkosten bezahlen kann, es bleibt aber etwas übrig. Jetzt suchen sie Unterstützung, die sie von diesem übrigen Betrag bezahlen können.

Ein Pflegedienst kann Ihnen dabei helfen, diese Rechnung ohne Risiko durchzuführen. Sind Sie gerade auf der Suche nach einem Pflegedienst, der Ihnen hilft? Sprechen Sie uns gerne an. Wir gehen mit Ihnen und Ihren Angehörigen alle Möglichkeiten durch und beraten Sie dazu, welche Leistungen Sie von uns in Anspruch nehmen wollen.

Ambulante Pflege: Das ändert sich 2019

Mit Beginn des neuen Jahres stehen einige Änderungen an, die die Pflege betreffen. Große, positive Änderungen sind noch nicht in Sicht – aber viele Kleinigkeiten, die viel Einfluss haben könnten.

Pflegestärkungsgesetz mit Reformen für Pflegeheime und Krankenhäuser

Die Bundesregierung konzentriert sich in ihren Reformen zunächst auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – und wir sind noch skeptisch gegenüber Behauptungen, diese Änderungen liefen nicht zu Lasten der ambulanten Pflege. Beispielsweise gibt es in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zukünftig verbindliche Untergrenzen für den Pflegeschlüssel, der diese Einrichtungen dazu bringen wird, unbedingt Pflegepersonal anziehen zu müssen (und gleichzeitig aller Voraussicht nach trotzdem nichts nützt).

Änderungen für die ambulante Krankenpflege

Vorerst verlautet von offizieller Seite zu Änderungen für die ambulante Krankenpflege  allerdings nur: Wegezeiten sollen besser honoriert werden und Krankenkassen müssen Tariflöhne in der häuslichen Krankenpflege akzeptieren.

Außerdem sollen Pflegekräfte leichter an Kinderbetreuungsplätze kommen können, die zu ihren Arbeitszeiten passen und beispielsweise auch Nachtschichten abdecken. Konkrete Förderung gibt es auch hier aber nur für Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen.

Erhöhte Beiträge in die Pflegekasse

Die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen 2019 um 0,3 Prozent – also auf 2,85 % des Bruttoeinkommens. Auch dieser Anstieg soll helfen, die steigenden Kosten der Pflege zu decken. Wie üblich werden die Beträge zwischen Arbeitnehmer und -geber aufgeteilt.

Gleichzeitig sinken übrigens geplant die Beiträge für Arbeitslosen- und Krankenversicherung, sodass insgesamt für viele Arbeitnehmer mehr vom Bruttogehalt übrigbleibt.

Mehr Digitalisierung

Die Bundesregierung möchte außerdem die „Digitalisierung“ der Pflege weiter vorantreiben. Da Digitalisierung zur Zeit ein Lieblings-Schlagwort der Politik ist, und auch alles Mögliche andere „digitalisiert“ werden soll, weiß man noch nicht, was genau das wohl heißen soll.

Einige Möglichkeiten der Digitalisierung der Pflege hatten wir im Blog ja bereits angesprochen. Ausgereift ist davon noch keine, aber vorerst geht es wohl auch darum, mehr Energie in den Ausbau zu stecken. Inwiefern die Einsparung von Verwaltungsschritten tatsächlich die Pflegedienste so stark entlastet, dass fehlende 100 000 Stellen aufgefangen werden können, wird sich zeigen.

Der Entlastungsbetrag: Wieviel, wozu und wie?

In Kürze: Den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich können Pflegebedürftige (Pflegestufe 1-5) für Pflegeleistungen nutzen. Er kann mit Beträgen für Pflegesachleistungen kombiniert werden und kann bis zum Juni des Folgejahres angespart werden.

Wer bekommt den Entlastungsbetrag?

Jede Person mit Pflegestufe 1 bis 5 bekommt den Entlastungsbetrag.

Dafür müssen Sie zunächst Pflege beantragen, um eine Pflegestufe zu erhalten. Wir erklären Ihnen hier, wie Sie den Antrag auf Pflege stellen.

Wie hoch ist der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag beträgt 125 €.

In einigen Ausnahmefällen können Ansprüche fortgesetzt werden, die vor der Umstellung auf Pflegestufen bestanden. Dann bekommen Betroffene 208 Euro, wenn Sie durch den Wechsel in die Pflegestufen nicht mindestens 83 Euro mehr erhalten als zuvor.

Wie funktioniert der Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag steht Pflegebedürftigen ohne besonderen Antrag zu. Sie können also jeden Monat Leistungen über 125 € in Anspruch nehmen und dadurch bezahlen.

Meistens funktioniert das so, dass Patienten eine Leistung erst selbst bezahlen und dann die Rechnung an Ihre Pflege-/Krankenkasse schicken. Die erstattet den Betrag dann.

Viele Pflegedienste (oder andere Anbieter) können auch direkt mit den Pflegekassen abrechnen. Dann müssen Sie als Patient eine Abtretungserklärung unterschreiben. Die erlaubt dem Anbieter, die Rechnung direkt an die Pflegekasse zu schicken.

Bei uns funktioniert das auch – fragen Sie einfach nach!

Kann man sich den Entlastungsbetrag auszahlen lassen?

Nein, der Entlastungsbetrag ist nur für Leistungen vorgesehen. Die werden damit bezahlt.

Wenn man aber selbst eine Leistung bezahlt und die Rechnung einreicht, bekommt man das Geld von der Pflegekasse erstattet und direkt überwiesen. Deswegen sagen manche Menschen, dass sie den Entlastungsbetrag auf ihr Konto erhalten.

Wozu gibt es den Entlastungsbetrag?

Was kann man mit dem Entlastungsbetrag also bezahlen? Sie können nicht einfach alle Rechnungen einreichen, sondern nur die für bestimmte Leistungen.

Dazu zählen:

  • Tages- und Nachtpflege
    • Dabei insbesondere auch die sogenannten „Hotelkosten“, also die Kosten für Unterkunft, Mahlzeiten und Investitionskosten
  • Kurzzeitpflege
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag. Dazu zählen insbesondere:
    • Haushaltsnahe Dienstleistungen
    • Gruppenangebote zum gemeinsamen Singen oder Basteln
    • Bewegungsangebote
    • Gemeinsame Spaziergänge
    • Begleitung zum Arzt, zu Behörden oder zu anderen Terminen

Für Patienten mit Pflegestufe 1 (nicht für alle anderen!) kann der Entlastungsbetrag auch für körperbezogene Pflegeleistungen wie Waschen und Anziehen eingesetzt werden. Denn sie bekommen ja keine andere finanzielle Unterstützung für diese Leistungen.

Wie kann man den Entlastungsbetrag ansparen?

Der Entlastungsbetrag wird automatisch „angespart“: Wenn Sie in einem Monat keine 125 Euro verbrauchen, sondern nur 100, stehen die restlichen 25 Euro weiter zur Verfügung.

Das gilt bis zum Juni des Folgejahres.

Sie können also jeden Monat 125 € verbrauchen, abwechselnd 50 und 200 oder Sie sparen alle 18 Beträge an, um im Juni eines Jahres 2250 Euro zur Verfügung zu haben, wenn beispielsweise dann Angehörige im Urlaub sind.

Allgemein sollten Sie darauf achten, dass von Januar bis Juni zunächst alte Restbeträge verbraucht werden. Für gewöhnlich sollte ihre Pflegekasse das selbst erledigen. Sie können aber zur Sicherheit auch nachfragen. Sie können auch erfragen, welche Beträge Sie schon verbraucht haben und welche Ihnen noch zur Verfügung stehen.

Kann ich den Entlastungsbetrag für … nutzen?

Wenn Sie noch Fragen zum Entlastungsbetrag haben, beraten wir Sie gern – auch bevor Sie Pflegeleistungen von uns in Anspruch nehmen. Dann können Sie vor Ihrer Entscheidung sehen, was bestimmte Leistungen Sie kosten werden und wie Sie diese Leistungen finanzieren können.

Kontaktieren Sie uns bei Facebook, telefonisch oder über unser Kontaktformular!

 

Gewalt in der Pflege – Was können Pflegekräfte dagegen tun?

Gewalt gegen ältere Menschen und in der Pflege ist ein ernstzunehmendes Problem und gleichzeitig oft ein Tabu. Gerade bei Patienten mit psychischen Problemen kommt es oft auch zu Gewalt gegenüber den Pflegenden. In diesem Artikel soll es allerdings darum gehen, wie Pflegende damit umgehen können, wenn Sie Gewalt in der Pflege mitbekommen.

Gewalt ist in der stationären Pflege nach Statistiken ein größeres Problem als in der ambulanten Pflege. Sie kommt in der ambulanten Pflege oft aber gerade auch durch Angehörige vor. Der häufigste Grund dafür ist Überlastung – die Pflegenden werden gereizt, ungeduldig oder aggressiv, weil sie erschöpft sind. Manchmal werden pflegebedürftige Menschen aber auch von Angehörigen misshandelt, die aus anderen Gründen zu Gewalt neigen.

Professionelle Pflegekräfte vom Pflegedienst bemerken diese Situationen vielleicht. Auch wenn es sozial schwierig ist: hinsehen, ansprechen und helfen gehören zu unseren Pflichten!

Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen erscheint in vielen Formen

Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen kommt in vielen Formen vor. Unter dem Titel „Gewalt fängt nicht beim Schlagen an“ läuft die Kampagne #pflegeohnegewalt – zwar zur Zeit nicht mehr sehr aktiv, aber immer noch aktuell.

Gewalt in der Pflege kann sich auf folgende Arten äußern:

  • Körperliche Gewalt und Schmerzen – Auch dabei gilt nicht erst Schlagen als Gewalt. Auch Waschen mit zu heißem oder kaltem Wasser kann Schmerzen verursachen, ebenso wie ruppige Bewegungen.
  • Vernachlässigen und unterlassene Hilfe – Pflegebedürftige werden nicht ausreichend versorgt und leiden zum Beispiel an Hunger oder Durst, werden medizinisch nicht ausreichend versorgt oder werden nicht gewaschen.
  • Psychische Gewalt – Pflegende nutzen ihre Machtposition und behandeln die pflegebedürftige Person wie ein Kind, ignorieren sie, reden betont „von oben herab“ mit ihnen oder gleich über ihren Kopf. Es kann auch zu Beschimpfungen und Streit kommen.
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen – besonders oft kommt es vor, dass pflegebedürftige eingesperrt oder ruhig gestellt werden. Durch Fesselung oder Medikamente.
  • Finanzielle Gewalt – Wenn der pflegebedürftigen Person jede finanzielle Eigenständigkeit entzogen wird, verschafft sich der Pflegende damit mehr Macht und der Patient oder die Patientin wird hilflos.

Gewalt erkennen

Pflegekräfte sind oft in Familien zu Gast. Sie besuchen als ambulante Pflegekräfte allein lebende Patienten, Paare und Familien. Dabei versuchen wir im Allgemeinen, nicht zu stören – die Privatsphäre von Patienten und ihren Angehörigen soll erhalten bleiben, auch wenn der regelmäßige Besuch notwendig ist.

Dabei kann es sein, dass Pflegekräfte vom Pflegedienst Spuren von Gewalt sehen: am Körper des Patienten oder im Verhalten zwischen Patient und Angehörigen. Auch wenn diese Anzeichen nicht eindeutig scheinen, muss jede Pflegekraft sie unbedingt beachten.

Wer Gewalt direkt beobachtet, ist verpflichtet, die Pflegedienstleitung unverzüglich zu informieren und Maßnahmen zum Schutz der Pflegebedürftigen zu ergreifen. Bei schweren Fällen sollten professionelle Pflegekräfte auch unverzüglich die Verletzungen dokumentieren (auf der Seite findet sich auch ein Bogen, um auffällige Befunde bei der Pflege zu dokumentieren). In einer akut bedrohlichen Situation rufen Sie die Polizei!

Wer Gewalt befürchtet, sollte seine Beobachtungen ebenfalls festhalten. Jeder Mitarbeiter eines Pflegedienstes kann sich immer an die Pflegedienstleitung wenden und seine Beobachtungen schildern. Der Pflegedienst ist verpflichtet, diesen Hinweisen nachzugehen.

Kein schlechtes Gewissen

Auch wenn Sie die Gründe für Gewalt verstehen oder sehen können: Die Gewalt zu beenden hat oberste Priorität. Die Scham einer Person, die Gewalt anwendet, „entdeckt“ zu werden, ist nicht schlimmer als die Gewalt, die eine pflegebedürftige Person sonst weiter erleiden muss.

Manchmal sind sich Angehörige gar nicht bewusst, dass sie etwas „falsch“ machen. Manchmal wissen sie aber auch, dass etwas schiefläuft und wissen nicht, wie sie etwas ändern können. Als Pflegedienst können wir helfen und auf Hilfsangebote hinweisen. Wenn pflegende Angehörige gewalttätig werden, haben sie oft ein schlechtes Gewissen. Sie sind für die Ansprache und Hilfsangebote aber meist auch sehr dankbar.

Bleibt jemand uneinsichtig, wissen Sie erst recht, dass es dringend Zeit ist, Hilfe zu holen.