Depression durch Überlastung – pflegende Angehörige sind oft überfordert

Die Pflege der eigenen Angehörigen ist nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch eine außerordentliche Belastung für pflegende Angehörige. Von den rund 3,3 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden weniger als ein Viertel stationär gepflegt. Und über 90 % der ambulant betreuten Pflegefälle werden – teilweise oder ausschließlich – vom größten „Pflegedienst“ der Nation versorgt: den eigenen Angehörigen.

Eine Situation, die das Leben der Angehörigen oft auf dramatische Art und Weise schlagartig verändert. Zum einen durch die enorme körperliche Belastung, zum anderen auf der seelischen Ebene: durch großen psychischen Druck, radikale Veränderung des Alltagslebens und fehlender Unterstützung in der Pflegesituation. Die Folge ist oft ein Burn-Out oder Depressionen.

 

Weniger Selbstbestimmung im Alltag

Wird plötzlich oder schleichend ein Familienmitglied pflegebedürftig, ändert sich für die pflegenden Angehörigen viel. In besonders extremen Fällen bestimmt die Pflege bei den Angehörigen „das ganze Leben“.
Während Angehörige durch die emotionale Bindung zur pflegebedürftigen Person auf der einen Seite besonders hingebungsvolle Pflege verüben, leidet der Job und das Familienleben unter dem Zeitmangel.

Viele müssen ihre Arbeit reduzieren oder sogar ganz aufgeben, nur etwa 20 % der pflegenden Angehörigen arbeitet zusätzlich noch in Vollzeit. Denn rund die Hälfte der pflegenden Angehörigen investiert mehr als zwölf Stunden am Tag in die Pflege.

 

Depression rechtzeitig erkennen

Weltweit leiden rund 350 Millionen Menschen an Depressionen – und pflegende Angehörige werden etwa um zehn Prozent häufiger wegen psychischer Leiden behandelt als die übliche Bevölkerung. Der schleichende Beginn einer Depression wird von ihnen oft nicht bemerkt, da meist der Patient im Mittelpunkt steht und weniger der Pflegende.

Meist empfinden Angehörige die Zeichen der Depression als „Nebenwirkung“ der Gesamtsituation. Schließlich leiden sie „aus gutem Grund“ an Schlafmangel, fühlen starken Druck und leiden an Überforderung. Die Folgen, Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Traurigkeit, scheinen nicht wie eine „Krankheit“, sondern die passenden Gefühle zur Situation. Das sind sie auch.

Eine Depression ist keine „verrückte“ oder absurde Reaktion auf eine belastende Situation. Genausowenig ist eine Erkältung eine „verrückte“ Reaktion auf Kälte, Bakterien und Stress.

Depression oder „nur Stress“?

Es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob eine Situation noch „nur Stress“ oder schon Depressionen auslöst. Die Betroffenen sind in einer belastenden Situation. Sie sehen „per Definition“ nicht unbedingt klar.

Ein erstes Kriterium ist Zeit: Wer für eine Woche besonders gestresst ist und sich danach wieder erholt, hat eher „nur“ Stress erlebt. Die Erholung ist wichtig und notwendig. Eine Depression ist meist längerfristig und Erholung scheint kaum noch zu helfen. Selbst wenn Betroffene einige Tage auf der Couch liegen oder durchschlafen können, fühlen sie sich dadurch nicht erholter oder besser.

Oft erkennen andere die Anzeichen eher. Denn viele depressive Menschen „verlernen das Lachen“ oder wirken dabei freudlos. Oder auch ständig unruhig aber ziellos. Viele Betroffene unternehmen erst dann etwas, wenn sie durch die Menschen in ihrem Umfeld aktiv auf Veränderungen und die möglichen Zusammenhänge zu einer Depression aufmerksam gemacht werden.

Hilfsangebote durch Pflegekurse

So mahnte die Präsidentin des deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Professor Christel Bienstein, in einer Stellungnahme zum aktuellen Pflegereport mehr Entlastung und Unterstützung für pflegende Angehörige an. Auch Krankenkassen zeigen sich engagiert. So bietet die DAK neuerdings einen kostenlosen online-Pflegekurs an, um es den Angehörigen im hektischen Alltag einfacher zu gestalten, an Unterstützung zu gelangen.

In Zukunft sollen außerdem überflüssige bürokratische Hürden verringert werden, um Angehörige frühzeitig zu entlasten.

Dabei soll die Last der Pflege weiterhin voll auf den Schultern der Angehörigen bleiben?

Über sieben Prozent der pflegenden Angehörigen denken darüber nach, die Pflege einzustellen. Weitere sechs Prozent wollen nur bei Erhalt zusätzlicher Unterstützung weiter pflegen. Auf der anderen Seite greifen aktuell nur die wenigsten auf existierende Hilfsangebote, wie z.B. kostenlose Pflegekurse, zurück. Maßgeblich, weil ihnen die Zeit dazu fehlt. In den meisten Fällen kümmern sich die pflegenden Angehörigen daher erst dann um Entlastungsmöglichkeiten, wenn es ihnen selbst durch die psychische Belastung bereits schlecht geht.

 

Echte Hilfe bei der Pflege

Alle Angehörigen können bei der Pflege echte Hilfe in Anspruch nehmen. Pflegedienste „übernehmen“ nicht einfach die gesamte Pflege.

Wir besprechen mit Ihnen genau, welche Aufgaben Sie gern abgeben möchten und welche Sie weiterhin selbst übernehmen können. Und wir sind flexibel: Bevor Sie richtig krank werden, können Sie die eigene Pflege auch für einige Wochen auf ein Minimum reduzieren. Wenn Sie erholt sind und Zeit hatten, die Pflege neu zu überdenken, können Sie wieder mehr Aufgaben übernehmen.