Zwischenstand: Neue Ausbildungen für die Pflege

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das neue Pflegeberufegesetz verabschiedet. Jetzt folgte die Verabschiedung der Ausbildungspläne.

Ein wichtiger Teil davon ist ein neues Ausbildungskonzept, das sich in drei Teile gliedert. Wer sich für Pflege interessiert, entscheidet sich nicht mehr unbedingt von Anfang an zwischen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Stattdessen lernen alle zwei Jahre das gleiche und können sich dann für eine Spezialisierung entscheiden.

Die Bundesregierung hatte die Reform der Pflegeberufe letztes Jahr entschieden. Neben den Veränderungen im Aufbau der Ausbildung gab es für Auszubildende in vielen Bereichen vor allem eine wichtige Neuerung: die Ausbildung sollte ab sofort kostenlos sein und das bisherige „Schulgeld“ der Krankenpflegeschulen fällt weg.

In einer abschließenden Abstimmung wurden die Pläne verabschiedet – trotz vieler Einwände und Bedenken aus unterschiedlichen Fraktionen und von externen Experten.

Nach ungefähr einem Jahr gibt es immer noch mehrere Perspektiven auf die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung, nach der 2020 die ersten Ausbildungen beginnen werden.

Generalisierung auf Kosten der Qualität?

Ein wichtiger Kritikpunkt vieler Experten ist, dass das neue Ausbildungskonzept durch fehlende Spezialisierung insbesondere in der Alten- und der Kinderkrankenpflege einfach nicht gut genug ausbildet und wichtige Qualifikationen fehlen.

In beiden Bereichen soll das neue Ausbildungskonzept die bisherigen Anforderungen aktualisieren. In beiden wird der Anspruch eher verringert – Altenpfleger müssen formal beispielsweise keine Vorbehaltstätigkeiten mehr ausüben. Das bedeutet einerseits, dass sie nur mit Pflegefachkräften gemeinsamen arbeiten können. Und andererseits die Personen, die selbst die Pflege übernehmen, nicht an der Koordinierung der Aufgaben beteiligt wären. Dieser Wegfall von einem wesentlichen Aufgabenbereich in der Altenpflege wird auch nicht durch einen größeren Fokus auf Bewältigungsstrategien oder Gesundheit für Pflegekräfte aufgewogen.

In der Kinderkrankenpflege ist das Problem zweischneidig: Einerseits sollen zukünftig alle Auszubildenden in der Pflege einen Pflichteinsatz in der Kinderkrankenpflege absolvieren. Dabei gibt es dafür kaum ausreichend Einsatzstellen. Bisher war diese Ausbildung für einen Bruchteil der Auszubildenden in der Pflege relevant (etwa 6600 Auszubildende in der Kinderkrankenpflege machen keine 5 % der Auszubildenden in der Pflege insgesamt aus).

Andererseits sehen Experten in der Kinderkrankenpflege die Ausbildung selbst als nicht ausreichend an: Wer in der Kinderkrankenpflege arbeitet, ist durch einen Pflichteinsatz in der Pädiatrie längst nicht ausreichend qualifiziert – die selbstständige Arbeit in der Kinderkrankenpflege wird nach Ansicht einiger Experten nur nach zusätzlicher Qualifikation nach der Ausbildung möglich sein.

Pflege soll offener werden

Auf der entgegengesetzten Seite stehen immer mehr Bemühungen, den Pflegeberuf weiter zu öffnen. Vertreter von Arbeitgeberverbänden monieren, die Anforderungen seien schlicht überzogen – ein Nebeneffekt der Akademisierung der Pflege. Während mehr Studiengänge entstehen, wird auch die Pflege theoretischer: Pflegekräfte sollen Methoden selbstständig vergleichen und wissenschaftlich beurteilen können.

Diese Notwendigkeit von besonderen akademischen Fähigkeiten sieht man beispielsweise in Hessen nicht: Hier soll die Ausbildung zum Pflegehelfer auch ohne Hauptschulabschluss möglich sein. Dabei handelt es sich allerdings um ein Modellprojekt, das insbesondere auch auf Flüchtlinge abzielt. Vor allem die, die (noch) keinen in Deutschland anerkannten Schulabschluss haben. Während der Pflegeausbildung soll gleichzeitig der Hauptschulabschluss verfolgt werden.

Differenzierung eines komplexen Bereichs

Pflege ist anspruchsvoll und besteht aus vielen unterschiedlichen Aufgaben. Die Pflege eines intensivpflegebedürftigen Kindes unterscheidet sich enorm von der eines Erwachsenen, der nach einer OP kurzfristig gepflegt werden muss.

Innerhalb des Born Gesundheitsnetzwerks ist der Wechsel von einem Pflegebereich in einen anderen für unsere Pflegekräfte möglich. Das passiert aber nach genauer Absprache mit allen Beteiligten. Außerdem gibt es natürlich eine „Umlernzeit“. Entweder durch eine Fortbildung zum Beispiel für die Intensivpflege. Oder einfach durch Neuorientierung im neuen Gebiet.

Gleichzeitig gibt es rund um die Pflege Aufgaben, die klar in den akademischen Bereich fallen. Sie müssen aber genauso wenig von jeder Pflegekraft durchgeführt werden, wie nicht jeder Mitarbeiter bei einem Automobilhersteller Maschinenbau studiert haben muss. Und genau wie studierte Maschinenbauer nicht unbedingt mit der anspruchsvollen Umsetzung betraut werden sollten, nur weil sie die Theorie kennen, ist nicht jeder studierte Pflegeexperte die richtige Person am Krankenbett.

Wir versuchen, für alle Mitarbeitenden die richtigen Aufgaben zu finden – passend zu ihrer Ausbildung, ihrer Persönlichkeit und ihren Wünschen. Es bleibt abzuwarten, ob die Reform der Ausbildungsplätze dieses Anliegen einfacher oder schwerer machen wird.

Welche Perspektiven gibt es nach der Ausbildung in der Pflege?

Wenn die Entscheidung zur Ausbildung in der Pflege gefallen ist, sind damit noch nicht alle Fragen beantwortet. In welche Richtung soll es gehen und was möchte man langfristig arbeiten?

Drei Ausbildungsberufe in der Pflege

Neben den drei Ausbildungsberufen in der Pflege gibt es auch zwei Assistenzberufe in der Pflege sowie immer mehr Studiengänge. Hier wollen wir uns aber die Ausbildungen ansehen und die Möglichkeiten, die man danach hat. Möglich sind für alle nach der Ausbildung in den Assistenzberufen der Pflege oder abgeschlossener zehnjähriger Schulbildung:

  • die Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger
  • in der Gesundheits- und Krankenpflege
  • oder in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

Jeder der Ausbildungen dauert drei Jahre und besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der praktische Teil der Altenpflege-Ausbildung findet in Pflegediensten statt – wir bieten zum Beispiel Ausbildungsplätze in Altenpflege in Kamen an. Auch der praktische Teil der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege ist in Pflegediensten möglich – oder in Altenheimen oder Krankenhäusern. Der praktische Teil der Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege findet in Krankenhäusern mit Kinderstation (Pädiatrie) statt.

Nach Ausbildungsende: Aus-gelernt?

In der Pflege gehört „lebenslanges Lernen“ zu einem der Vorteile (oder Nachteile), die jeder und jede Auszubildende erwarten sollten. Auch wenn die Theoriestunden in der Schule irgendwann geschafft sind, gibt es noch viele Möglichkeiten offiziell und inoffiziell dazuzulernen. Im Beruf ergibt sich durch neue Patienten immer wieder etwas Neues und das bedeutet alltägliches Lernen.

Dazu kommen weitere Möglichkeiten. Fort- und Weiterbildungen zum Beispiel. Auch wenn beides oft in einem Atemzug genannt wird, gibt es da einen kleinen Unterschied: In Fortbildungen frischt man sein Wissen auf oder erweitert es, um auf dem aktuellen Stand im aktuellen Beruf zu bleiben. In einer Weiterbildung lernt man dagegen etwas, das eine weitere berufliche Qualifikation bedeuten – zum Beispiel durch ein Zertifikat, das neue Tätigkeiten erlaubt.

In den meisten Pflegeunternehmen werden Fort- und Weiterbildungen angeboten. Ein großer Unterschied zwischen den Unternehmen ist, wer wann diese Kurse belegen und sich so weiter entwickeln darf. Bei uns gilt: Fortbildungen für alle – aus gutem Grund.

Der richtige Arbeitgeber nach der Ausbildung

Wenn man seine Ausbildung in der Pflege beendet hat, kann man oft bei dem Unternehmen bleiben, bei dem man auch den praktischen Teil seines neuen Handwerks gelernt hat. Manchmal ist es aber auch Zeit für einen Wechsel oder etwas Neues. Wer beispielsweise die Ausbildung im Krankenhaus absolviert hat, möchte vielleicht auch mal rausfinden, wie es so in einem ambulanten Pflegedienst läuft und umgekehrt.

Eine andere Möglichkeit ist, in spezielle Pflegebereiche vorzustoßen. Beispielsweise die ambulante Intensivpflege oder die Pflege in Patienten-WGs. In unseren Patienten-WGs im WoKo I und II in Dortmund beispielsweise. Hier steht vor dem Start in die Arbeit noch eine Weiterbildung zur Fachkraft für Intensivpflege. Die bieten wir allen in unseren Teams auch gerne an.

Die dritte Option ist vor allem auch für Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger interessant: Bei Peggy Blue bieten wir ganz besondere Stellen in der ambulanten Kinderintensivpflege im Ruhrgebiet an.

Ein Start im Born Gesundheitsnetzwerk

Egal, ob Sie Ihre Ausbildung in einem der Pflegedienste des Gesundheitsnetzwerks gemacht haben oder neu zu uns kommen würden: Wir freuen uns auf Sie! Wir haben freie Stellen in unterschiedlichen Bereichen für ausgebildete Pflegende aus allen drei Ausbildungsberufen.

Wieso wir gerne ausbilden

Im Born Gesundheitsnetzwerk lernen zurzeit 57 Auszubildende ihr „Handwerk“ – Pflege, Verwaltung, IT, … es kommen auch so einige Fachbereiche zusammen. Wir haben schon erklärt, wie wichtig uns Fortbildungen sind – kein Wunder also, dass wir auch an den Grundlagen der Bildung und Ausbildung arbeiten.

Wir freuen uns über engagierte neue Auszubildende, die jedes Jahr zu uns kommen. Die Auszubildenden freuen sich über ihre Arbeit bei uns. So ein Austausch ist ideal und beruht auf gegenseitiger Wertschätzung. Wichtiger Teil davon ist das Bewusstsein, dass Auszubildende nicht nur von uns profitieren, sondern unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter auch von ihnen. Die gegenseitige Wertschätzung ist eine wichtige Grundlage unserer Arbeit.

Die besten Gründe für Ausbildung in der Pflege (und anderen Bereichen) fassen wir hier in einem Artikel zusammen.

Unternehmen profitieren von Ausbildung

Einige Unternehmen bilden nicht aus, weil sie nicht verstehen, was sie selbst davon haben. Das liegt oft daran, dass sie zu kurzsichtig denken. Natürlich bedeutet ein neuer Mitarbeiter immer, dass erst mal alle in der Abteilung „aufgerüttelt“ werden. Egal, ob jemand seit 40 Jahren im Bereich arbeitet oder eben gerade erst angelernt werden soll: Die Abläufe im konkreten Betrieb muss man lernen.

Deswegen bedeutet auch die Ausbildung in der Pflege für unser Unternehmen erst mal zusätzlichen Aufwand: neue Pflegekräfte werden eingearbeitet und bekommen Tipps von den erfahrenen Profis. Unsere erfahrenen Mitarbeiter in der Pflege müssen zu Beginn den Neulingen also viel erklären. Auch Dinge, die sie normalerweise einfach nur tun können. Aufgaben, für die wir als Unternehmen normalerweise eine Person beauftragen, dauern durch die Erklärungen vielleicht auch mal länger – und wir bezahlen zwei Personen für diese längere Arbeitszeit.

Trotzdem bedeuten Auszubildende einen großen Vorteil für uns als Unternehmen: Wenn wir in einen neuen Mitarbeiter investieren, dann lernt er von Leuten, auf deren Wissen und Kompetenz wir uns verlassen können – den Mitarbeitern, die wir schon haben. Wir wissen also, dass „der Neue“ bald schon zu denjenigen gehört, die wirklich wissen, wie Pflege funktioniert.

Und sie wissen, wie Pflege in unserem Unternehmen funktioniert. Auszubildende, die ihre Pflegeausbildung im Born Gesundheitsnetzwerk absolviert haben und gezeigt haben, dass sie Wollen mit Können verbinden, sind für uns auch perfekte Mitarbeiter der Zukunft. Wer langfristig plant, sieht die Vorteile von Ausbildung für ein Unternehmen.

Mitarbeiter profitieren von Ausbildung in der Pflege

Mitarbeiter profitieren übrigens auch von der Ausbildung. Wir haben im letzten Abschnitt angerissen, dass die Azubis vielleicht auch mal Mehraufwand bedeuten: Dinge müssen erklärt werden, die schneller einfach erledigt werden könnten. Aufgaben müssen umstrukturiert werden, damit eine neue Auszubildende die Aufgaben erledigen kann, die sie schon allein beherrscht und andere Teile davon weiter vom erfahrenen Mitarbeiter gemacht werden.

Auf den ersten Blick bedeutet Ausbildung in der Pflege für etablierte Mitarbeiter also vor allem Stress. Wieso sollten Profis von Ausbildung profitieren? Weil es hilft, wenn jemand Fragen stellt und weil man sich selbst prüft, wenn man Dinge erklärt.

Gerade das „Warum“ ist beim Erklären und Zeigen wichtig. Warum mache ich zuerst diesen Schritt und dann den nächsten und nicht umgekehrt? Sollte ein Patient erst beim Frühstück unterstützt und dann angekleidet werden oder umgekehrt? Wenn man das während der Arbeit erklärt, prüft man von allein noch mal seine Arbeitsschritte.

Und Auszubildende in der Pflege sind auch noch „neu“ darin, mit der menschlichen Seite der Pflege umzugehen. Sie haben noch keine Routine entwickelt und wollen lernen, mit den Emotionen umzugehen, die dabei vielleicht aufkommen. Für Mitarbeiter, die über die Jahre Strategien entwickelt haben, um mit dieser Herausforderung umzugehen, ist es oft schön und hilfreich, Erfahrungen teilen zu können. Sie können über Strategien reflektieren und sich mit Gefühlen auseinander setzen, die sie von allein nicht mehr ansprechen. Das ist auch anstrengend – aber sehr lohnend und gesund.

Azubis profitieren von der Ausbildung im Born Gesundheitsnetzwerk

Man könnte meinen, Unternehmen würden sich um Auszubildende schlagen und die „Partnerfindung“ in diesem Bereich wäre sehr einseitig. Dann würden sich die Unternehmen um neue, interessierte Mitarbeiter schlagen. Das stimmt zum Teil – klar freuen wir uns, wenn wir jemanden von uns als Arbeitgeber überzeugen können und Bewerbungen lesen.

Wir wissen aber auch, dass wir so einiges zu bieten haben. Zurzeit bilden wir 57 junge Menschen aus. Einerseits in der Pflege, andererseits in anderen Bereichen des Netzwerks. Neben der fachlichen Ausbildung und der natürlich fairen Bezahlung bieten wir die Begeisterung für Auszubildende, die wir oben erklärt haben. Und sie bedeutet auch, dass bei uns jeder Azubi nicht nur einen klaren Ansprechpartner hat, sondern sich auch jemand ganz explizit um alle Auszubildenden kümmert. So gibt es Anlaufstellen, wenn mal mehr Fragen oder Probleme auftauchen.

Als ein Unternehmen, das schon viele Jahre ausbildet, sind wir an allen „Enden“ der Ausbildung ein guter Partner für unsere Azubis. Wir wissen, was es heißt, wenn Prüfungen anstehen. Wir kennen die Theorie und können den Unterschied zwischen Theorie und Praxis erklären, ohne das Gefühl zu vermitteln, der Theorieteil sei „nutzlos“. Wir bieten vielseitige Einsatzmöglichkeiten und die Option, in unterschiedliche Bereiche zu gucken.

Wer seine Ausbildung in einem unserer ambulanten Pflegedienste absolviert, weiß, dass er kein anderes Unternehmen suchen muss, wenn er lieber in die Intensivpflege wechseln möchte. Wir freuen uns, wenn ein Azubi später in die Kinderintensivpflege wechselt. Oder wenn jemand von der Intensivpflege zur ambulanten Pflege gehen möchte. Veränderung gehört zum Leben – dieses Wissen bietet Stabilität und Perspektive.

Für unsere Azubis gilt: Sie zeigen Willen und Engagement und wir bedanken uns dafür mit Willen und Engagement. Offene Stellen finden Sie übrigens hier – oder Sie versuchen es gerne mit einer Initiativbewerbung.