Mobbing zerstört die Freude am Job in der Pflegebranche

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein ernstes Thema. Dass Schüler unter dem Druck durch Klassenkameraden leiden können, ist mittlerweile bekannt. Kinder werden dafür auch immer wieder sensibilisiert. Leider gibt es einige Menschen, die nie verstanden haben, welchen großen, negativen Einfluss Mobbing auf andere haben kann. Oder die sich wider besseren Wissens einen Spaß daraus machen, ihre Macht über andere auszuspielen. Das passiert nicht selten auch am Arbeitsplatz.

Selbst unter Erwachsenen und auch in der Pflege kommen Fälle von Mobbing vor: Durch Kollegen, den Vorgesetzten und manchmal sogar Untergebene. Auf einer eigenen Webseite erklärt ver.di die Folgen und Gefahren von Mobbing. Hier wird die Kündigung der Betroffenen als „Aufgeben“ und „Ziel“ der Mobber dargestellt. Oft genug ist es aber auch nur Gedankenlosigkeit gemischt mit Frust und Stress, der aus Mitarbeitern Mobber macht.

Tratschen ist nicht automatisch Mobbing

Manchmal verdrehen sich ganz alltägliche Dinge allmählich in Mobbingsituationen. Beispielsweise ist es absolut normal, dass es in jeder Organisation „Flurfunk“ gibt – Gespräche zwischen Tür und Angel und vor allem zwischen den einzelnen Bereichen. Auch in der Pflege wird viel getratscht und geklatscht und gequasselt. Nicht immer geht es dabei um Fachthemen. Manchmal steht auch eine aktuelle Nachricht, ein Film oder eben ein Kollege im Mittelpunkt des Gesprächs.

Verteilt sich das gleichmäßig und in alle Richtungen passiert meist nichts Dramatisches – wer investiert schon ernsthaft Lebenszeit und Energie darein, länger über eine neue Frisur oder einen kleinen Fehler zu sprechen? Pflege macht allen mehr Spaß, wenn man sich bald wieder verträgt und gemeinsam einen guten Job macht.

Der Unterschied zwischen Flurfunk und Mobbing

Wenn Anna Stress hat und dadurch einen Fehler macht, kann das ihren Kollegen Bernd logischerweise stressen. Dann ist es manchmal für die Gesamtsituation besser, wenn Bernd sich darüber in der Mittagspause bei Claudia aufregt und den Minifrust verpuffen lässt, bevor er wieder mit Anna spricht. Anna hätte im Stress den Fehler kaum vermeiden können, Bernd hätte durch lautes Meckern nicht geholfen und vor allem hätte Anna sicher keine Zeit, sich das Problem anzuhören. Claudia hört von dem Fehler und kann Bernd Recht geben oder ihn besänftigen. So ist das „Problem“ nie zu einem größeren Anliegen geworden.

Wenn Anna dagegen immer wieder Fehler macht, die vielleicht sogar Patienten gefährden, ist das ein Thema, das Bernd sofort mit ihr besprechen sollte. Oder mit einer Vorgesetzten, wenn Anna nicht für Verbesserungsvorschläge offen ist. Auch in Konfliktsituationen steht die Gesundheit des Patienten (und von Kollegen) an erster Stelle.

Anders sieht es aus, wenn Bernd förmlich darauf lauert, dass Anna einen Fehler macht – Stress oder kein Stress. Ob Anna die Frisur wechselt, eine Aktennotiz nicht ganz leserlich schreibt oder in einem Gespräch über einen Patienten die Augen verdreht: Ab sofort ist jedes kleine Fehlverhalten ein Indiz dafür, dass Anna eine schreckliche Person und inkompetente Arbeitskraft ist.

Wenn Bernd seine Besessenheit von Annas „Fehlern“ nicht wegsteckt, sondern laut vor Anna kundtut oder brühwarm an Claudia weitertratscht, ist daran nichts mehr harmlos oder hilfreich. Bernd mobbt Anna – egal, ob die beiden Kollegen im gleichen Team sind oder sich so gut wie nie sehen.

Andere wegekeln oder „kündigen lassen“

Einige „Bernds“ dieser Welt gehen aber noch weiter: Sie belassen es nicht dabei, jede vermeintliche Schwäche ihres Opfers auszunutzen. Sie erfinden zusätzlich Geschichten. Wenn sie in einer Machtposition sind – Vorgesetzte oder einfach nur verantwortlich für die Gehaltsabrechnung – nutzen sie das gnadenlos aus. Oft gilt: Je kleiner das Machtgefälle, umso härter ist es umkämpft. Da kann der Sekretär der Chefin schon mal zum größten Gift-Monster im Unternehmen werden und seinen minimal „höheren Status“ ausnutzen.

Ob aus Unachtsamkeit, Langeweile, um eine sadistische Ader auszuleben oder für das billige Machtgefühl, Einfluss auf das Leben eines anderen genommen zu haben, gehen manche Mobber tatsächlich so weit, andere zur Kündigung zu drängen oder bei Vorgesetzten Geschichten zu erfinden, bis sie gekündigt werden. Dabei muss es nicht mal um fachliche Kompetenz gehen. Wenn der erwähnte Chefsekretär ständig erzählt, wie unangenehm ein Mitarbeiter sei und wie viele Kollegen „extra vorbeikommen, um über ihn zu lästern“, dann steht diese Person bei der nächsten „Umstrukturierung“ oder Kündigungswelle oben auf der Abschussliste.

Sich wehren – und Chefs in die Verantwortung nehmen

Ein böser Nebeneffekt von Mobbing ist, dass sich viele Opfer hilflos fühlen. „Was soll ich schon machen?“, fasst das Gefühl zusammen. Die Treiber von Mobbing sind sich immerhin oft nicht für Kindergartengehabe zu schade. Werden sie darauf angesprochen, was passiert, antworten sie mit einem simplen „War ich nicht – habe ich nie gemacht/gesagt/behauptet.“.

Die nächste Etage bei Mobbing auch in der Pflege sind immer Vorgesetzte. Wenn ein Konflikt beginnt, über einen einmaligen Streit hinauszuwachsen, sollte man etwas sagen. Der direkten Vorgesetzten, der nächsthöheren Chefin oder im Zweifel der Chefetage des Unternehmens: Mobbing macht krank und muss früh gestoppt werden.

In unserem Unternehmen wenden wir unterschiedliche Konfliktlösungsstrategien an, damit aus Meinungsverschiedenheiten kein Streit und aus Streit kein Mobbing wird. Dazu setzen sich auch Vorgesetzte gemeinsam mit Betroffenen zusammen, und versuchen die Hintergründe von Wut zu klären.

Denn auch wenn ver.di und Beratungsstellen dazu aufrufen, sich nicht unterkriegen zu lassen, kann bei Mobbing viel an der Chefetage scheitern. Ist die nicht bereit, sich mit Konflikten zu beschäftigen und sie auch in für alle unangenehmen Gesprächen anzusprechen, lautet der häufige Rat tatsächlich zu kündigen und sich einen neuen Job zu suchen. Dann ist die Kündigung durchs Unternehmen schon fast ein Geschenk – selbst wenn es durch Rufmord entstanden ist.

 

Gesunde Arbeit: Macht Pflege wirklich traurig?

Wir haben letzten Monat schon darüber gesprochen, dass Pflege manchmal stressig sein kann und den letzten Nerv raubt. Da kann man gegensteuern und sich im Zweifel Hilfe holen.

Eine andere Frage, die Pflegekräfte oft gestellt bekommen und sich vielleicht auch mal selbst stellen: Macht Pflege traurig? Viele Menschen assoziieren mit Pflege vor allem, dass man viel mit alten und kranken Menschen zu tun hat (richtig so weit!) und dass das auf die Dauer deprimierend ist. Immerhin fühlt man sich selbst mit einer Krankheit eher schlecht. Jeder kennt die Laune, in der man nach drei Tagen Kopfschmerzen ist oder wenn eine Grippe ordentlich auf die Stimmung geschlagen hat. Das ist kein unlogischer Gedankengang, aber trotzdem Quatsch: Unsere Patientinnen und Patienten sind nicht ständig traurig oder immer nur müde. Wir haben durchaus auch Spaß an und bei der Arbeit.

Aber ganz von der Hand zu weisen ist natürlich nicht, dass Pflege manchmal auch bedeutet, dass man mit sehr ernsten oder traurigen Themen in Berührung kommt. Ein wichtiger Tipp schon für Auszubildende ist, dass sie lernen müssen, sich ein wenig von dem Leid der andern zu distanzieren: „Man kann nicht jeden Tod mitsterben“.  Das ist leichter gesagt als getan.

Wieso und wie machen Pflegekräfte also immer weiter, obwohl sie mit so vielen negativen Dingen zu tun haben?

Empathie und Distanz in der Pflege

Pflege ohne Empathie wäre grausam, und ziemlich kalt. Pflege ohne Empathie wäre auch einfach schlechte Pflege, und einen schlechten Job zu machen, macht die Laune sicher nicht besser. Empathie aufzugeben ist also in keinem Fall die richtige „Lösung“, um die Schwierigkeiten des Pflegeberufs zu bewältigen.

Pflege ohne Distanz frisst aber auf. Wenn jeder Patient so viel bedeutet wie ein guter Freund, dann kann man den einen kaum für den anderen verlassen. Gebraucht werden wir aber immer an mehreren Betten und außerdem ja auch noch in unserem eigenen zuhause. Außerdem ist Pflege ohne Distanz „unprofessionell“ auf eine sehr unangenehme Weise: Wir sind bei Patienten zu Gast und auch wenn man sich mit der Zeit natürlich kennenlernt, bleibt Pflege eine „Dienstleistung“.

Die „goldene Mitte“?

Die „Mitte“ ist nicht für jeden am gleichen Punkt gefunden. Das ist wichtig zu verstehen, um sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Einige Menschen in den pflegenden und heilenden Berufen ziehen eine klare Grenze zwischen einem „Arbeitsich“ und einem „privaten Ich“. Sie halten das aufrecht, indem sie bei Feierabend ganz abschalten und nicht mehr an die Probleme im Job denken, das Handy ausschalten und ihre Gedanken auf andere Themen konzentrieren.

Andere brauchen diese Trennung nicht und würden sie auch nicht gut vertragen. Sie denken auch zuhause manchmal an einen Patienten oder eine Patientin oder ein bestimmtes Problem, das sie lösen müssen oder wollen. Sie stehen im Supermarkt und notieren sich im Handy schnell etwas, das sie noch mit einem Arzt absprechen wollen. Dann setzen sie den Einkauf ganz normal fort.

Es gibt viele unterschiedliche Menschen. Wir denken daran immer wieder, wenn es um unsere Kunden und ihre Familien geht – jede Familie ist ein bisschen anders und jeder Patient ist eine eigenständige Person. Aber auch Pflegekräfte sind nicht alle gleich und für jeden sieht die passende Balance ein wenig anders aus.

Damit Pflege nicht traurig macht

Diese „goldene Mitte“ für sich selbst zu finden, ist ein erster Schritt dahin, dass Pflege nicht traurig macht. Ein anderer ist der Austausch mit Kollegen. Einerseits informell – einfach reden, quatschen und sich austauschen, gerade wenn irgendwo der Druck mal hoch ist. Unter anderem dafür gibt es bei uns ja auch die gemütlichen Sitzecken und Küchen an allen Standorten. Der Austausch unter Kollegen ist enorm wichtig fürs Wohlfühlen bei der Pflege.

Bei uns gibt es außerdem auch „organisierte“ gegenseitige Unterstützung. In der Kinderintensivpflege entlasten wir uns ein wenig durch Supervisionstermine. Und sollte es doch mal zu viel werden: Reden und sich Pausen einräumen!

Pflege bringt Glücksmomente

Zum Abschluss aber noch einmal: Pflege macht nicht traurig. Pflege macht ziemlich oft glücklich. Im Alltag, durch das Miteinander, durch die Hilfe, durch den leichteren Weg und bei besonderen Gelegenheiten.

Zum Beispiel auch im Urlaub!

Gesunde Arbeit: Weniger Stress in der Pflege

Überspringen wir die Frage nach dem Kater von Silvester, den guten Vorsätzen, die schon gebrochen wurden, und die Frage, ob Sie „gut ins neue Jahr gekommen“ sind – selbst wenn der Übergang mit Grippe im Bett passiert wäre (wir hoffen nicht!), bestimmt das ja nicht den Rest des Jahres.

Den gestalten wir nämlich eher durch Dinge, die uns jeden Tag motivieren und jeden Tag etwas bedeuten. Und für produktiv angegangene gute Vorsätze ist jetzt Zeit. Denn wie fröhliche Radiomoderatoren rauf und runterbeten: Wer langfristig etwas ändern will, muss dafür täglich etwas ändern. Sehen wir uns an, wie jeder etwas mehr für „gesunde Arbeit“ tun kann – und auch in der Pflege gesund bleibt.

Pflege ist sicher kein leichter Job – weit davon entfernt. Die meisten Leute fragen von außen vielleicht nach langen Arbeitszeiten oder schweren Patienten. Tatsächlich sagt das „Klischee vom Pflegeberuf“, dass Kranken- und Gesundheitspflegekräfte vor allem mit Rückenproblemen zu kämpfen haben. Die sollte man nicht vernachlässigen, aber ein Hauptfaktor für viele Pflegekräfte – egal ob in der Patienten-WG in Dortmund oder bei der häuslichen Altenpflege – ist „Stress“. Stress ist dabei nur ein Oberbegriff für diverse Belastungen, psychisch und physisch, wie man so schön sagt.

Bedeutet Pflege Stress?

Stressig ist zum Beispiel Termindruck – deswegen arbeiten unsere Mitarbeiter an ihren Zeitplänen mit und „Frei ist frei“ ist unser Versprechen. Dadurch wollen wir erreichen, dass alle Mitarbeiter wissen: Wenn sie zuhause sind und sich anderen Dingen widmen möchten, dann müssen sie auch nicht aufs Telefon hören oder jederzeit sprungbereit sein.

Das ist übrigens auch gut für die Arbeit: Wer in seiner Freizeit ehrlich entspannen kann – oder zumindest andere Dinge im Kopf hat, als die Arbeit – kann während der Arbeitszeit auch einen Kopf für die Arbeit haben. Dann ist Pflege anspruchsvoll und herausfordernd – aber nicht stressig.

Und wenn wir da einen Fehler machen? Wollen wir erinnert werden! Wir glauben absolut nicht, dass wir fehlerfrei arbeiten. Wenn also mal ein „Da war frei“ übersehen wird oder ein Dienstplan nicht funktioniert: Nachfragen. Die wahrscheinlichste Antwort ist, dass auch auf der „Ebene drüber“ bloß jemand irgendeine Sorte Stress hatte. Damit lässt sich der Stress in der Pflege durch Zeitdruck von Arbeit auf den Terminkalender schon etwas reduzieren.

Ein Ausgleich zum Stress

Manchmal ist auch der Alltag alles andere als entspannend. Entweder, weil es konkrete Stresssituationen gibt. Oder einfach, weil ein immer gleicher Trott eben auch Stress sein kann. Das Thema Stress ist mittlerweile kein belächeltes Problem von Leuten mehr, die „nicht klar kommen“, sondern ein Lebensbereich, um den man sich kümmern sollte. Genau wie gesunde Ernährung oder gesunde Bewegung gibt es auch gesunde Entspannung.

Auch wer mit Stress in der Pflege und im Alltag zu kämpfen hat, hat mehrere Möglichkeiten:

  • Entspannung durch körperliche Auszeiten zum Beispiel beim Schwimmen und in der Sauna
  • Entspannung durch bewusstes Genießen von einem schönen Film, einer Serie oder einem Buch, durch die man sich sonst vielleicht nur berieseln lässt.
  • Entspannung durch ein besonders gutes Essen mit viel Zeit fürs gemütliche Einkaufen, Kochen und Essen
  • Entspannung durch Übungen zum Beispiel in Achtsamkeitsbüchern oder beim Malen, Zeichnen oder anders Gestalten

Keine Pflicht auf eine bestimmte Form von Entspannung

Eine besonders perfide Form von Stress ist der, den man sich mit dem Thema Entspannung macht. Beispielsweise, weil alle Bekannten erzählen, wie gut ein Wellnessaufenthalt tut – und man sich dann Sorgen um den Eintrittspreis macht, von der stickigen Luft genervt ist oder es einfach anstrengend findet, bewegungslos in einem Whirlpool zu dümpeln. Stress in der Pflege entsteht zwar auch durch die körperliche Belastung, aber gerade deswegen tut es manchen Leuten sehr gut, zum Ausgleich Sport zu machen. Der muss nicht organisiert oder „schön“ sein.

Entspannende Bücher oder Filme können natürlich super anspruchsvoll sein – wer zum Ausgleich vom Alltag in die Tiefen von „Krieg und Frieden“ eintauchen möchte, kann das natürlich tun. Rosamunde Pilcher ist aber auch Pause vom Alltag.

Gestalten Sie Ihre Entspannungszeit immer so, wie es Ihnen passt. Das Wichtigste ist, dass sie stattfindet.

Stress auf der Arbeit: Wenn der Chef den Nerv raubt

Es gibt eine Menge Konflikte, die sich lösen lassen, indem man die Wut im Bauch nicht gleich rausspuckt, sondern vor dem Sprechen nachdenkt. Auch zwei Parteien, die richtig Streit haben, können dann eine gemeinsame Einigung finden. Dazu gehört, die Perspektive des anderen einzunehmen und natürlich offen zu sprechen. Stress kommt in der Pflege mal vor und auch ein guter Chef oder eine gute Bereichsleitung kann nicht immer alles ausbalancieren – solange das die Ausnahme bleibt, gibt es sicher Gesprächsmöglichkeiten.

Es gibt auch Situationen, in denen man mit Methoden konfrontiert ist, die über das normale Maß an „stressbedingt“ unproduktiver Kommunikation hinausgehen. Chefs und Vorgesetzte verhalten sich dabei manchmal wie Partner in einer ungesunden Beziehung. Dann es ist keine Schande, nach einem Versuch, das Problem konstruktiv zu lösen, auch etwas anderes zu suchen. Gerade bei einer emotional aufgeladenen Arbeit wie Pflege belastet so eine Konstellation sonst zu sehr.

Schlechte Chefs erkennen

Ein Chef, der viel schreit, ist nicht automatisch ein schlechter Chef. In manchen Unternehmen ist der normale Umgangston eher ein kollegiales Anschreien. Der Clou dahinter: Alle bauen gemeinsam Stress ab, indem sie schimpfen, fluchen und laut rumtrompeten. Das kann Belastungen freilassen, die „vor den Kulissen“, also zum Beispiel beim Patienten, kein Ventil finden. Wie erwähnt: Pflege ist oft stressig und wer in der Pflege gesund bleiben will, braucht irgendeinen Ausgleich. Wichtig ist, dass die Schreierei nicht gegeneinander läuft, sondern miteinander: „Was ist das wieder für ein Scheiß Tag?“ ist oft weniger ausfallend als „Was haben Sie da schon wieder für einen Mist gemacht?“

Schlechte Chefs neigen allgemein dazu, schwierige Zeiten an Mitarbeitern auszutoben. Stellen Sie sich einen Partner vor, der an jedem stressigen Tag und bei jeder Kleinigkeit gleich droht, die Beziehung zu beenden. Mit so jemandem bleibt man nicht gern zusammen – und von einem Chef, der immer mit der Kündigung oder weniger Geld droht, wenn es im Unternehmen mal nicht rund läuft, sollte man sich auch trennen. Wenn Ihre Vorgesetzte also den Schichtplan nicht auf die Reihe bekommt, darf sie schimpfen – aber nicht den Pflegekräften Angst mit einer möglichen Kündigung machen, wenn sie sich nicht zu unbezahlten Überstunden bereit erklären.

Ein letztes praktisches Wort ist das sogenannte „Gaslighting“. Kurz gesagt geht es ums Lügen oder eher Leugnen von früheren Ereignissen oder Zusagen. Letzte Woche hieß es noch, die Überstunden könnten Sie diese Woche abbauen, aber heute hat ihr Chef das nie gesagt? Das ist ein schlechtes Zeichen. Richtig übel wird es, wenn Ihr Chef solche Vereinbarungen nicht nur „vergisst“, sondern Sie gleich bezichtigt, sich die Vereinbarung eingebildet zu haben. So ein ständiges Futter für die eigenen Selbstzweifel ist ganz bestimmt nicht gesund und sie können nicht mehr gesund in der Pflege arbeiten.

Und was tun, wenn Sie einen schlechten Chef haben?

Wenn Sie miese Verhaltensmuster bei Ihrem Chef entdecken, brauchen Sie nicht sofort kündigen und einen neuen Job suchen. Sie können es auch erst mal mit einem Hinweis versuchen – erstaunlich viele Chefs sind sich gar nicht bewusst, welche extremen Auswirkungen ihre schädlichen Gewohnheiten haben können. Oder sie kennen keine Alternativen.

Wenn das nichts hilft, sehen Sie sich nach einem anderen Unternehmen um. Bei uns zum Beispiel. Wir sind sicher nicht frei von Fehlern und wir machen auch (gelegentlich) welche. Für uns ist wichtiger, für das Gespräch darüber offen zu bleiben. Deswegen kann jeder nicht nur mit seinem Vorgesetzten oder Kollegen sprechen. Sondern im Zweifel auch ein klärendes Gespräch erbitten, bei dem neutrale Dritte dabei sind.

Wenn Sie also einen Neuanfang in der Pflege starten möchten, sehen Sie sich gerne mal unsere Stellenanzeigen an. Vielleicht sind Sie ja schon bald Teil unseres Teams und wir tun uns gegenseitig gut.

Ein gesundes Arbeitsklima für gute Arbeit: Mental Health

Es gibt viele Begriffe aus dem Englischen, die sich zurzeit ihren Weg in unseren Alltag bahnen. Nicht alle davon sind sinnvoll und einige haben eigentlich nicht mal Inhalt. Andere beschreiben dagegen Konzepte, die es so auf Deutsch noch nicht ganz gibt. „Mental Health“ zum Beispiel bedeutet direkt übersetzt bloß „Geistige Gesundheit“.

Während ein Verlust der „geistigen Gesundheit“ aber danach klingt, dass jemand schlichtweg die Fassung verloren hat, fasst man unter dem Begriff Mental Health heute viele Kleinigkeiten zusammen, die wichtig für unser Wohlbefinden sind.

Gesund am Arbeitsplatz: Auch psychisch

Zum Beispiel auch Mental Health am Arbeitsplatz. Also alle Bedingungen, die dafür sorgen, dass uns die Arbeit nicht krank macht – weder körperlich, noch geistig oder psychisch. Bei der Beschreibung der Symptome von solchen Belastungen hat auch jede Generation ihre Lieblinge – wer im 19. Jahrhundert noch hysterisch oder nur „müde“ war, hatte vor etwa zwanzig Jahren eine Erschöpfungsdepression – und heute Burnout. Jedes der Probleme wurde von Zeitgenossen belächelt, die nicht darunter litten. Und jedes ist tatsächlich eine ernsthafte Krankheit.

Verhindern lässt sich so eine Erkrankung zum Beispiel durch ein gutes Arbeitsklima. Dazu gehört natürlich ein Job, den man mag, nette (oder zumindest erträgliche Kollegen), akzeptable Arbeitszeiten, das Gefühl durch Sinn oder Geld für die Zeit kompensiert zu werden und ein guter Chef. Oder, in größeren Unternehmen, mehrere gute Chefs auf mehreren Ebenen.

Neue Serie: Gesund in der Pflege

In den kommenden Monaten wollen wir uns hier stärker noch einem neuen Thema widmen und immer mal wieder Artikel veröffentlichen, in denen es um Gesundheit in der Pflege geht. Die Arbeit in der Pflege bedeutet viele Arten von Belastungen. Einerseits muss man viel wissen, viel können und viel leisten. Andererseits gibt es psychische Belastungen – das Aushalten von Krankheit und Tod als „Alltags“thema, die Schmerzen, die man sieht. Aber auch der Stress durch volle Zeitpläne und miese Arbeitsbedingungen kommt manchmal dazu.

In den Artikeln wird es um Belastungen gehen, um die man sich selbst kümmern „muss“. Ausgleichssport zum Beispiel oder kreative Hobbies. Wir werden auch über Dinge sprechen, die die Arbeit bei uns im Netzwerk einfacher machen – wie die Supervision in der Kinderintensivpflege.

Heute gibt es einen ersten Artikel dazu, wie man Belastungen erkennt, die man nicht aushalten muss und die es für Pflegekräfte auf der Suche nach einem neuen Job in der Pflege einfacher machen sollen, gute Arbeitgeber zu erkennen. Diesen Punkt haben wir allgemein schon in unserer Checkliste für gute Pflegejobs erwähnt, aber hier soll es noch mal ausführlicher werden.

Wir starten mit einem Thema zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz: Gute Chefs, böse Chefs – woran erkennt man einen schlechten Chef und wie geht man damit um?