Pflegequalität und -Kosten nach Bundesland – wie gravierend sind die Unterschiede?

Pflege ist nicht gleich Pflege. Das betrifft zum einen die Art der Pflege – ambulant, stationär oder durch pflegende Angehörige – zum anderen aber auch die Qualität der jeweiligen Pflege und die Kosten, die dieser gegenüberstehen. Und diese Faktoren können von Bundesland zu Bundesland durchaus enorm variieren. Sie hängen neben den individuellen Qualitätsunterschieden verschiedener Pflegedienste oder -einrichtungen, vorrangig vom Wohnort des Pflegebedürftigen ab.

Pflegekosten im Vergleich zur Pflegequalität

In einigen Bundesländern zahlen Pflegebedürftige doppelt so viel zur Pflege dazu wie in anderen und es gibt keinen direkten Zusammenhang zur Qualität der Pflege.

Ist teure Pflege auch immer die bessere Pflege? Nicht unbedingt!

Stationäre Pflege

Wenn es um die stationäre Unterbringung in Pflegeeinrichtungen geht, lassen sich die Kostenunterschiede relativ gut erfassen. Den höchsten monatlichen Eigenanteil haben hier die Pflegebedürftigen im Saarland mit durchschnittlich 869 Euro zu zahlen, während in Thüringen gerade einmal 225 Euro zu entrichten sind. Der bundesweite Durchschnitt der monatlichen Kosten für die Unterbringung im Pflegeheim liegt bei rund 581 Euro monatlich.

Ambulante Pflege

Im Bereich der ambulanten Pflege gestaltet sich ein Vergleich der Pflegekosten hingegen schwierig, da sich die Inhalte der verschiedenen Leistungskomplexe je nach Bundesland unterscheiden. In vielen Bundesländern werden die Preise außerdem aus einer Kombination aus fixen Punktwerten pro Leistungskomplex und einem vom Pflegedienst verhandelten Punktwert berechnet. Unterschiedliche Pflegedienste bekommen also unterschiedlich viel Geld. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten wiederum Fixpreise, von denen nicht abgewichen werden darf.

Dennoch lässt sich auch in der ambulanten Pflege die Kostendiskrepanz der verschiedenen Bundesländer durch den Vergleich der Preise am Beispiel der „großen Pflege“ relativ gut abbilden. Für diesen Leistungskomplex werden in Rheinland-Pfalz 25,68 € gezahlt, während er in Mecklenburg-Vorpommern nur 14,41 € kostet.

Qualität der Pflege

Die Qualität der Pflege hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Eine gut messbare Zahl ist die Anzahl der Krankenhausfälle auf 100 Pflegebedürftige. Das sind in Mecklenburg-Vorpommern fast 150 Krankenhausfälle, in Baden-Württemberg lediglich 115. Dabei kostet die die große Pflege in der ambulanten Versorgung in Baden-Württemberg fast 9 Euro mehr.

Niedersachsen hingegen beweist, dass Pflege auch „gut und günstig“ sein kann. Der Eigenanteil liegt hier kostentechnisch im Mittelfeld, während die Pflegequalität ähnlich gut bewertet wird, wie in Baden-Württemberg.

Ausprägung der Pflegeformen nach Bundesland

Auch das Angebot an Pflegeheimen und der häuslichen Pflege variiert je nach Bundesland.

In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und den östlichen Bundesländern werden Pflegebedürftige vorwiegend durch ihre Angehörigen oder durch ambulante Pflegedienste versorgt. Ganz anders sieht es in Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein aus. Hier werden überdurchschnittlich viele Pflegebedürftige stationär versorgt.

Und das, obwohl der Eigenanteil für Pflegebedürftige in Bayern enorm hoch, in Schleswig-Holstein hingegen am niedrigsten von allen Bundesländern ist. Das zeigt deutlich: die pflegerische Versorgung ist abhängig vom regionalen Angebot, nicht vom Bedarf des einzelnen.
Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse herrscht somit leider nicht.

Maßnahmen für mehr Pflege bisher als Einzel-Punkt-Lösungen

Mit dem Ziel, dieses Ungleichgewicht langfristig zu reduzieren, hat die DAK-Gesundheit ein Konzept für „Regionale Kompetenzzentren“ entwickelt. Im Sinne des Case Managements soll „die beste Versorgung für jeden einzelnen Pflegebedürftigen“ dadurch geschaffen werden, dass über das Zentrum alle an der Pflege beteiligten Akteure (Beratungsstellen, Pflegedienste, Ärzte, stationäre Einrichtungen) koordiniert werden.

Was dieses Konzept nicht ändert, ist das Kostendilemma. Dabei kann bereits an dieser Stelle ein großes Hindernis bei der Wahl der pflegerischen Versorgung beseitigt werden.

Bayern nimmt hinsichtlich der Kosten durch die Einführung eines Landespflegegeldes eine Vorreiterstellung ein. Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 bekommen seit September 2018 dadurch schnell und unbürokratisch 1.000 Euro zusätzlich. Das Programm soll die Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe pflegebedürftiger Menschen stärken. Über 250.000 Menschen haben die Unterstützungsleistung bereits erhalten.

Welche Wirkung die zusätzliche Unterstützung hat, wie gut sie sich auf andere Bundesländer übertragen lässt und ob es dadurch tatsächlich zu spürbaren Besserungen kommt, bleibt abzuwarten.

Welche Pflegeleistungen stehen mir zu?

Wer pflegebedürftig ist, hat bei seiner Krankenkasse Anspruch auf bestimmte Leistungen – also Geldbeträge, deren Höhe vom Pflegegrad abhängt. Dieses Geld muss für die Pflege eingesetzt werden. Dabei gibt es mehrere „Töpfe“ aus denen jeder Patient die für ihn wichtigen Leistungen bezahlen kann.

Pflegeleistungen abhängig vom Pflegegrad

Je nach Pflegegrad gibt es unterschiedlich viel Geld von der Krankenkasse. Es gibt fünf verschiedene Pflegegrade – hier haben wir erklärt, wie die Pflegegrade funktionieren.  Allgemein gilt: Je höher der Pflegegrad, desto mehr Geld steht für die Pflege zur Verfügung.

Die Pflegeleistungen gliedern sich in Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Leistungen für vollstationäre Pflege und weitere Sonderbeträge.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Pflegegeld ist ein Geldbetrag, den die Krankenkasse dem Pflegebedürftigen direkt überweist. Er oder sie kann damit pflegende Angehörige oder Bekannte entschädigen, die ehrenamtlich pflegen, und die Kosten für den Aufwand decken.

Pflegesachleistungen sind Leistungen durch einen Pflegedienst. Es sind also keine „Sachen“ gemeint, sondern die Kosten für häusliche Betreuung, Hilfen im Haushalt und die Pflege selbst.

Diese beiden Leistungen können kombiniert werden. Mehr zum Thema Pflegesachleistungen und Pflegegeld haben wir hier für Sie zusammengefasst.

In aller Kürze die Beträge für Pflegegrad 2 bis 5:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro oder 316 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 3: 1298 Euro oder 545 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 4: 1612 Euro oder 728 Euro Pflegegeld
  • Pflegegrad 5: 1995 Euro oder 901 Euro Pflegegeld

Vollstationäre Pflege

Bei der Pflege im Pflegeheim oder einer anderen dauerhaften Unterbringung übernimmt die Krankenkasse etwas höhere Kosten als das reine Pflegegeld betragen würde.

Achtung: Im Allgemeinen deckt dieser Betrag nie die Kosten der Unterbringung im Heim.

  • Pflegerad 1: 125 Euro
  • Pflegegrad 2: 770 Euro
  • Pflegegrad 3: 1262 Euro
  • Pflegegrad 4: 1775 Euro
  • Pflegegrad 5: 2005 Euro

Entlastungsbetrag

Der sogenannte Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich kann für unterschiedliche Leistungen eingesetzt werden – beispielsweise das Decken von Kosten für weitere Pflegeleistungen, für zusätzliche Kurzzeitpflege oder für „Hotelkosten“ einer Tages- oder Nachtpflege.

Zusätzliche Pflegeleistungen

Zusätzlich zu diesen Leistungen der Krankenkasse gibt es einige weitere Leistungen für Pflegebedürftige, die mit etwas mehr Variabilität genutzt werden können.

Tages- und Nachtpflege

Es gibt zusätzliche Zuschüsse für die Tages- oder Nachtpflege. Das sind Einrichtungen, in denen pflegebedürftige Menschen tagsüber oder nachts betreut werden. Diese Patienten und Patientinnen werden hauptsächlich zuhause gepflegt – meist durch Angehörige. Sie kommen aber allein körperlich oder seelisch nicht zurecht. Die Tages- oder Nachtpflege übernimmt die Pflege, während die Hauptpflegeperson nicht anwesend ist.

  • Pflegegrad 1: Die Kosten müssen durch den Entlastungsbetrag gedeckt werden.
  • Pflegegrad 2-5: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in Höhe von 50 % des Betrags für die Pflegesachleistungen für die Tages- oder Nachtpflege zusätzlich zu den übrigen Leistungen.

Dabei müssen Kosten, die nicht für Pflege selbst entstehen, also Essen, Unterkunft und „Bau“ des Gebäudes, vom Patienten getragen werden. Viele Patienten bestreiten die Kosten durch den Entlastungsbetrag.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Für Kurzzeit- und Verhinderungspflege stehen außerdem Beträge zur Verfügung. Wir haben beides im Blog schon ausführlicher erklärt, hier gibt es mehr Infos zur Kurzzeitpflege und ausführliche Erklärungen der Verhinderungspflege.

  • Pflegegrad 1: Die Kosten müssen durch den Entlastungsbetrag gedeckt werden.
  • Pflegegrad 2-5: Jährlich stehen 1612 Euro für die Kurzzeitpflege zur Verfügung, die auf 8 Wochen verteilt werden können. Außerdem werden bis zu 1612 Euro für die Verhinderungspflege gezahlt. Dann stehen für die Kurzzeitpflege noch 806 Euro zur Verfügung. (Während dieser Zeit wird das Pflegegeld zu 50 % weiter gezahlt).

 

Wohnraumanpassung: Wohnung für die Pflege renovieren

Wer in seiner Wohnung Baumaßnahmen durchführt, durch die eine pflegebedürftige Person besser in der Wohnung leben kann – beispielsweise eine barrierefreie Dusche, verbreiterte Türen oder ähnliches – kann für diese Baumaßnahme Zuschüsse von der Krankenkasse beantragen.

Für jede pflegebedürftige Person werden pro Baumaßnahme bis zu 4000 Euro gewährt. Wenn mehrere pflegebedürftige Personen (ab Pflegegrad 1) in einem Haushalt leben, werden bis zu 16 000 Euro von der Krankenkasse zugegeben.

Entlastungsbetrag nutzen: Ansprüche aus 2015, 2016 und 2017 rückwirkend ausschöpfen

Durch den Entlastungsbetrag in Höhe von in der Regel 125 € monatlich können alle Pflegebedürftigen (Stufe 1-5) Angebote zur Unterstützung im Alltag finanzieren.

Wichtig und noch ganz aktuell: Sie können den Entlastungsbetrag jeweils rückwirkend im nächsten Kalenderhalbjahr noch nutzen. Das bedeutet, dass Sie bis zum 30.6.2018 noch bis zu 1500 € aus 2017 verwenden können.

Dazu kommt bis Ende 2018 die Ausnahmeregelung, dass Sie auch rückwirkend die Beträge aus 2015 und 2016 noch verbrauchen können: Jeweils 1 250 €.

Wenn Sie noch keine Leistungen durch den Entlastungsbetrag finanziert haben, könnten Sie im ersten Halbjahr 2018 insgesamt also Leistungen für 4 000 € rückwirkend aufbrauchen und zusätzlich 750 € für die aktuellen Monate verwenden.

Wozu ist der Entlastungsbetrag da?

Diese Unterstützung im Alltag kann aus ganz unterschiedlichen Angeboten bestehen. Wichtig ist, dass sie anerkannt sind – dazu können Sie sich mit uns absprechen und wir beraten Sie jederzeit!

  • Pflegebegleitung
  • Alltagsbegleitung
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen (Waschen, Putzen, Einkaufen)
  • Familienentlastende Dienste
  • Bezahlung von Agenturen, die Pflegeleistungen vermitteln
  • Tagesbetreuung oder Einzelbetreuung auch speziell für Patienten mit Demenzerkrankung

Zusätzlich zu diesen Angeboten zur „Unterstützung im Alltag“ im eigentlichen Sinne finanzieren Sie über den Entlastungsbetrag auch folgende Leistungen:

  1. Tages- oder Nachtpflege, die die ambulante Pflege mit stationären Angeboten ergänzt.
  2. Leistungen der Kurzzeitpflege. Das ist Pflege in „besonderen“ Situationen, in denen erhöhter Bedarf besteht (nicht zu verwechseln mit der Verhinderungspflege).
  3. Pflegesachleistungen, die Sie nicht bereits in Anspruch nehmen.

Wer hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag?

Jeder Patient mit Pflegestufe 1-5 hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag.

Woher weiß ich, ob ich noch „Guthaben“ vom Entlastungsbetrag habe?

Sie können bei Ihrer Pflegekasse nachfragen und sich die verbleibenden Guthaben der einzelnen Jahre (2015, 2016, 2017 und 2018) mitteilen lassen.

Wie beantrage ich Leistungen, die durch den Entlastungsbetrag finanziert werden?

Sie können die Leistungen jederzeit in Anspruch nehmen und die Rechnungen dann bei der Pflegekasse einreichen – das Einreichen ist dann automatisch Ihr „Antrag“.

Sprechen Sie vorab mit dem Anbieter – also zum Beispiel mit uns – wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Leistung durch den Entlastungsbetrag finanziert werden kann oder nicht. Wir helfen Ihnen dann auch gerne dabei, das Schreiben an Ihre Pflegekasse aufzusetzen.