Vorsorgevollmacht und Pflege: Was Sie jetzt klären können

Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie einen Bevollmächtigten, der für Sie Entscheidungen treffen soll, wenn Sie dazu nicht in der Lage sind. Beispielsweise, weil Sie durch Krankheit oder Unfall nicht klar denken können oder so krank sind, dass Sie vielleicht gar nicht sprechen können.

Eine Vorsorgevollmacht kann sich auch auf Entscheidungen zum Thema Pflege beziehen. Deswegen ist sie besonders wichtig für alle, die regeln möchten, wie sie später gepflegt werden.

Vorsorgevollmacht vs. Patientenverfügung: Nicht verwechseln!

Zunächst einmal müssen wir eine wichtige Abgrenzung treffen: Eine Patientenverfügung ist nicht das gleiche wie eine Vorsorgevollmacht.

In einer Patientenverfügung können Sie Ihre Wünsche dazu festlegen, wie Sie in bestimmten medizinischen Situationen behandelt werden möchten. Beispielsweise, ob Sie künstlich ernährt werden möchten, oder nicht. Dabei sollte jeder Hinweis so genau wie möglich sein und soll Ärzten und Ihren Angehörigen helfen, Entscheidungen zu treffen, wenn Sie dazu nicht mehr in der Lage sind.

Sie werden sicherlich nicht alle medizinisch denkbaren Möglichkeiten in Ihrer Vollmacht abhandeln können.  Also geben Sie Ärzten eher eine möglichst klare Richtung und Beschreibung vor.

Eine Vorsorgevollmacht ist dagegen wesentlich breiter gefasst.

Was regelt die Vorsorgevollmacht

In einer Vorsorgevollmacht legen Sie eine Person fest, die für Sie Entscheidungen treffen und handeln soll, wenn Sie dazu nicht in der Lage sind. Das gilt beispielsweise, wenn Sie im Koma liegen oder psychisch so krank, dass Sie keine Entscheidungen treffen können.

Sie halten fest, was die benannte Person entscheiden darf. Außerdem können Sie Vorgaben machen: Beispielsweise, dass bestimmte Besitztümer nur im Notfall verkauft werden dürfen oder ähnliches.

Die Person, die Sie festlegen, entscheidet für Sie über finanzielle Angelegenheiten und kann für Sie Verträge abschließen. Das ist wichtig, wenn beispielsweise eine Wohnung verkauft werden soll, um von dem Ertrag eine neue Unterkunft zu bezahlen. Oder wenn eine Wohnung gekündigt wird, weil Sie voraussichtlich lange im Krankenhaus liegen.

Außerdem kann eine Bevollmächtigte sich zum Beispiel darum kümmern, wenn Versicherungen Prämien ausschütten oder ähnliches. Gerade Banken erwarten oft allerdings noch eine zusätzliche explizite Vollmacht für den Zugriff auf Konten.

Was bedeutet die Vorsorgevollmacht für die Pflege?

In Ihrer Vorsorgevollmacht können Sie für den oder die Bevollmächtigte/-n einige Dinge festlegen. Beispielsweise, wann und wie Sie in ein Pflegeheim einziehen möchten – gibt es bestimmte Dinge, die Sie mitnehmen wollen, oder die Ihnen wichtig sind?

Sie können auch festlegen, dass Sie möglichst lang zuhause gepflegt werden möchten. Auch intensivpflegebedürftige Patienten pflegen wir beispielsweise zuhause. Sie können auch festlegen, dass Sie in eine Intensivpflege-WG ziehen möchten.

Außerdem können Sie der bevollmächtigten Person Hinweise dafür geben, was Sie sich für den Fall wünschen, dass Sie aller Wahrscheinlichkeit nach in kurzer Zeit sterben werden. Wünschen Sie sich Palliativpflege in einem Hospiz oder zuhause?

Natürlich kann Ihr Bevollmächtigter nicht in jedem Fall all Ihre Wünsche erfüllen. Er oder Sie wird Ihnen aber für alle Informationen darüber, welche Entscheidungen Sie sich wünschen, dankbar sein.

Pflege nach dem Krankenhaus: Ansprechpartner für Sie

Wenn ihr Partner, ein Elternteil oder ein Familienmitglied aus dem Krankenhaus entlassen wird und danach Pflege braucht, haben Sie eine Reihe Ansprechpartner. Die müssen Sie alle koordinieren – aber natürlich nicht ohne Hilfe.

Wir listen für Sie auf, mit wem Sie sprechen können oder auch müssen. Wichtig: Wenn Sie die Koordination der Pflege nicht allein übernehmen wollen, müssen Sie das nicht. Rufen Sie uns einfach an und wir helfen Ihnen beim Übergang aus dem Krankenhaus nach Hause.

Wir organisieren mit Ihnen dann jeden Schritt und kontaktieren alle Ansprechpartner für Sie. So können wir zusammen die Pflege für Sie organisieren.

Kontaktpersonen für Pflege im Krankenhaus

Sie haben schon im Krankenhaus einige Ansprechpartner. Dazu zählen erst einmal alle behandelnden Ärzte – aber vor allem natürlich der verantwortliche Arzt für den Patienten. Außerdem gibt es in vielen Kliniken einen Sozialdienst, der Ihnen helfen kann.

Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin in der Klinik

Auch wenn es im Krankenhaus manchmal etwas chaotisch zugeht oder Sie die  behandelnde Ärztin nicht oft sehen: Es gibt garantiert einen Ansprechpartner für Sie. Fragen Sie ruhig nach und bitten Sie um einen Termin, bei dem Sie alle wichtigen Informationen bekommen können.

Dazu gehört zunächst, dass Patient/-in und Angehörige die Situation verstehen. Vor allem, wenn jemand durch einen Unfall ins Krankenhaus gekommen ist, wissen Sie vielleicht noch gar nicht, was Sie zuhause erwarten wird.

Neben der Aufklärung ist die Ärztin auch für einige organisatorische Dinge zuständig: Sie entscheidet, wann der Patient entlassen wird. Sie schreibt auch einen Arzt-Kurzbrief an den Hausarzt, der die weitere Behandlung übernimmt. Mit diesen Informationen können Sie die weitere Planung angehen.

Sozialdienst im Krankenhaus

Wenn Sie die Organisation nicht alleine stemmen wollen oder können, fragen Sie im Krankenhaus nach dem Sozialdienst, der Pflegeüberleitung oder den Entlassungsexperten. Diese Menschen helfen Ihnen bei der Organisation der Entlassung und auch den Schritten danach.

Sie vermitteln beispielsweise auch an Pflegedienste und erklären, wie Sie Hilfsmittel organisieren können. Alternativ können Sie sich, wenn Sie möchten, auch direkt an uns wenden.

 

Wir kooperieren aus Erfahrung auch mit Kliniken und helfen Ihnen, die Entlassung zu organisieren. Dazu besuchen wir Sie und den Patienten auch schon im Krankenhaus.

Kontaktpersonen für Pflege außerhalb des Krankenhauses früh ansprechen

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus werden Sie mit der Pflege auch nicht allein sein. Es gibt eine Reihe von Experten, an die Sie sich wenden können. Dazu gehören der Hausarzt und auch Ihre Apothekerin.

Mit dem Hausarzt absprechen

Ihr Hausarzt ist weiterhin ein wichtiger Ansprechpartner – auch zum Thema Pflege. Er übernimmt ab sofort die Behandlung und beispielsweise auch die Rezepte für weitere Medikamente. Deswegen bekommt er den Arzt-Kurzbrief vom Krankenhaus, in dem er über den aktuellen Stand informiert wird.

Sie besprechen mit Ihrem Hausarzt, der Sie und Ihre Familie vielleicht etwas besser kennt, auch, wie die Pflege weitergehen wird. Viele Hausärzte kennen auch schon Pflegedienste vor Ort und haben mit ihnen zusammengearbeitet. Wir koordinieren uns beispielsweise oft mit unterschiedlichen Ärzten.

Wenn Sie die Pflege mit der Pflegekasse organisieren (s.u.) hilft oft auch die Einschätzung Ihres Hausarztes zum Pflegebedarf. Es ist wichtig, dass der Hausarzt sich die bisherigen Befunde noch einmal ansieht und überprüft, ob alle aktuell wichtigen Informationen für den MDK (medizinischen Dienst der Krankenkassen) zusammengefasst wurden.

Hilfsmittel über die Apotheke organisieren

Auch viele Apothekerinnen kennen sich schon mit dem Thema Pflege aus – sie versorgen immerhin viele Pflegebedürftige und beraten Angehörige. Vor dem Kontakt zur Pflegekasse und zu einem Pflegedienst wissen Sie vielleicht noch nicht, was Sie alles brauchen werden. Aber Sie bekommen im Krankenhaus bereits erste Informationen, die Sie ja auch mit dem Hausarzt besprechen.

Ihre Apothekerin kann Sie auch zu den üblichen Vorgehensweisen beraten und weiß, welche Rezepte Sie brauchen werden.

 

Auch hier gilt: Wenn Sie möchten, sprechen wir für Sie mit Apotheken und Hausärzten und koordinieren die Pflege.

Pflege beantragen: Die Pflegekasse kontaktieren

Pflege beantragen Sie direkt bei der Krankenkasse. Hier erklären wir, wie Sie Pflege beantragen.

Nachdem die Pflege bewilligt wurde, sprechen Sie sich mit vielen Beteiligten noch mal ab: Hausärzte, Apothekerinnen, Physiotherapeuten und andere Gesundheitsprofis bleiben im „Team“. Als Pflegedienst an Ihrer Seite koordinieren wir diese Absprachen gerne für Sie und mit Ihnen!

 

Pflege beantragen: So geht’s

Sie wollen Pflege beantragen? Der richtige Ansprechpartner ist die Krankenkasse des Pflegebedürftigen.

Wir erklären, wie Sie in wenigen Schritten Pflege beantragen. Vorab: Wenn Sie dabei lieber nicht allein sein wollen, kontaktieren Sie uns! Wir helfen auch schon, bevor die Pflege bewilligt wurde.

Schritt 1: Antragsformular besorgen

Als erstes stellen Sie einen Antrag auf Pflege bei der Pflegekasse, die für Ihren Angehörigen zuständig ist. Sie ist immer an seine oder Ihre Krankenkasse angegliedert.

Dazu rufen Sie Ihre Krankenkasse an oder schreiben ohne besondere Form an Ihre Krankenkasse, dass Sie einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen wollen.

Machen Sie das so früh wie möglich – das Datum auf dem Antrag zählt später für die Bewilligungszeit.

Bei einigen Krankenkassen können Sie auch direkt das Formular herunterladen:

Hier ein Überblick über den Weg zum Formular bei einigen großen Krankenkassen:

Wenn Ihre Krankenkasse hier nicht aufgelistet ist, kontaktieren Sie sie einfach direkt – zum Beispiel per Telefon, Brief oder auch Fax.

Schritt 2: Antrag ausfüllen

Den Antrag auszufüllen, ist für Laien nicht einfach. Auch wenn alle Fragen eindeutig wirken, kann es Stolperfallen geben. Außerdem punkten oft Fachbegriffe mehr als die einfache Beschreibung.

Lassen Sie sich dabei helfen oder beraten – beispielsweise von uns oder von einer Beratungsstelle für Pflegende in Ihrer Nähe.

Schritt 3: Besuch vom Gutachter

Ein Gutachter vom medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) kommt zu Ihnen, um den Pflegebedarf zu ermitteln.

Dazu vereinbart er mit Ihnen einen Termin – trauen Sie sich ruhig zu sagen, wenn Sie keine Zeit haben. Versuchen Sie, den Termin auf keinen Fall alleine wahrzunehmen: Jemand vom Pflegedienst oder mindestens ein weiterer Angehöriger sollte anwesend sein.

Bei dem Besuch beurteilt der Gutachter, welchen Pflegegrad der oder die Pflegebedürftige bekommt. Das passiert auch anhand von Fragen. Deswegen ist es wichtig, dass jemand die Probleme angemessen beschreiben kann. Beschönigen Sie auf keinen Fall die Situation!

Schritt 4: Mitteilung des Pflegegrads

Als nächstes teilt Ihnen die Pflegekasse den ermittelten Pflegegrad mit. Das muss spätestens fünf Wochen nach Eingang Ihres Antrags passieren.

Abhängig vom Pflegegrad bekommen Sie unterschiedlich viel Geld von der Pflegekasse und können unterschiedlich viele Leistungen in Anspruch nehmen. Auch hier beraten wir Sie gern.

Widerspruch bei Ablehnung

Wenn die Krankenkasse den Antrag ganz ablehnt, können Sie Widerspruch einlegen – aber nur innerhalb von vier Wochen nach Zugang der Ablehnung.