Gesunde Arbeit: Macht Pflege wirklich traurig?

Wir haben letzten Monat schon darüber gesprochen, dass Pflege manchmal stressig sein kann und den letzten Nerv raubt. Da kann man gegensteuern und sich im Zweifel Hilfe holen.

Eine andere Frage, die Pflegekräfte oft gestellt bekommen und sich vielleicht auch mal selbst stellen: Macht Pflege traurig? Viele Menschen assoziieren mit Pflege vor allem, dass man viel mit alten und kranken Menschen zu tun hat (richtig so weit!) und dass das auf die Dauer deprimierend ist. Immerhin fühlt man sich selbst mit einer Krankheit eher schlecht. Jeder kennt die Laune, in der man nach drei Tagen Kopfschmerzen ist oder wenn eine Grippe ordentlich auf die Stimmung geschlagen hat. Das ist kein unlogischer Gedankengang, aber trotzdem Quatsch: Unsere Patientinnen und Patienten sind nicht ständig traurig oder immer nur müde. Wir haben durchaus auch Spaß an und bei der Arbeit.

Aber ganz von der Hand zu weisen ist natürlich nicht, dass Pflege manchmal auch bedeutet, dass man mit sehr ernsten oder traurigen Themen in Berührung kommt. Ein wichtiger Tipp schon für Auszubildende ist, dass sie lernen müssen, sich ein wenig von dem Leid der andern zu distanzieren: „Man kann nicht jeden Tod mitsterben“.  Das ist leichter gesagt als getan.

Wieso und wie machen Pflegekräfte also immer weiter, obwohl sie mit so vielen negativen Dingen zu tun haben?

Empathie und Distanz in der Pflege

Pflege ohne Empathie wäre grausam, und ziemlich kalt. Pflege ohne Empathie wäre auch einfach schlechte Pflege, und einen schlechten Job zu machen, macht die Laune sicher nicht besser. Empathie aufzugeben ist also in keinem Fall die richtige „Lösung“, um die Schwierigkeiten des Pflegeberufs zu bewältigen.

Pflege ohne Distanz frisst aber auf. Wenn jeder Patient so viel bedeutet wie ein guter Freund, dann kann man den einen kaum für den anderen verlassen. Gebraucht werden wir aber immer an mehreren Betten und außerdem ja auch noch in unserem eigenen zuhause. Außerdem ist Pflege ohne Distanz „unprofessionell“ auf eine sehr unangenehme Weise: Wir sind bei Patienten zu Gast und auch wenn man sich mit der Zeit natürlich kennenlernt, bleibt Pflege eine „Dienstleistung“.

Die „goldene Mitte“?

Die „Mitte“ ist nicht für jeden am gleichen Punkt gefunden. Das ist wichtig zu verstehen, um sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Einige Menschen in den pflegenden und heilenden Berufen ziehen eine klare Grenze zwischen einem „Arbeitsich“ und einem „privaten Ich“. Sie halten das aufrecht, indem sie bei Feierabend ganz abschalten und nicht mehr an die Probleme im Job denken, das Handy ausschalten und ihre Gedanken auf andere Themen konzentrieren.

Andere brauchen diese Trennung nicht und würden sie auch nicht gut vertragen. Sie denken auch zuhause manchmal an einen Patienten oder eine Patientin oder ein bestimmtes Problem, das sie lösen müssen oder wollen. Sie stehen im Supermarkt und notieren sich im Handy schnell etwas, das sie noch mit einem Arzt absprechen wollen. Dann setzen sie den Einkauf ganz normal fort.

Es gibt viele unterschiedliche Menschen. Wir denken daran immer wieder, wenn es um unsere Kunden und ihre Familien geht – jede Familie ist ein bisschen anders und jeder Patient ist eine eigenständige Person. Aber auch Pflegekräfte sind nicht alle gleich und für jeden sieht die passende Balance ein wenig anders aus.

Damit Pflege nicht traurig macht

Diese „goldene Mitte“ für sich selbst zu finden, ist ein erster Schritt dahin, dass Pflege nicht traurig macht. Ein anderer ist der Austausch mit Kollegen. Einerseits informell – einfach reden, quatschen und sich austauschen, gerade wenn irgendwo der Druck mal hoch ist. Unter anderem dafür gibt es bei uns ja auch die gemütlichen Sitzecken und Küchen an allen Standorten. Der Austausch unter Kollegen ist enorm wichtig fürs Wohlfühlen bei der Pflege.

Bei uns gibt es außerdem auch „organisierte“ gegenseitige Unterstützung. In der Kinderintensivpflege entlasten wir uns ein wenig durch Supervisionstermine. Und sollte es doch mal zu viel werden: Reden und sich Pausen einräumen!

Pflege bringt Glücksmomente

Zum Abschluss aber noch einmal: Pflege macht nicht traurig. Pflege macht ziemlich oft glücklich. Im Alltag, durch das Miteinander, durch die Hilfe, durch den leichteren Weg und bei besonderen Gelegenheiten.

Zum Beispiel auch im Urlaub!

Schlechtes Gewissen wegen Pflege?

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, steht die Entscheidung an: Zuhause selbst pflegen, einen Pflegedienst beauftragen oder einen Platz in einem Pflegeheim oder einer Patienten-WG suchen? Statistiken zufolge werden etwa 2/3 aller Pflegebedürftigen zuhause von ihren Angehörigen (mit-)gepflegt.

Die Entscheidung, zusätzlich einen Pflegedienst zu beauftragen, fällt vielen eher schwer. Das liegt auch daran, dass sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht selbst alles übernehmen.

Pflege ist kein einfacher Job

Eine einfache Überlegung: Wenn man Pflege wirklich neben einem anderen Vollzeitjob nebenbei erledigen könnte, dann gäbe es nicht den riesigen Mangel an Pflegekräften in Deutschland. Pflege ist ein anstrengender Job und verlangt den Pflegenden viel ab. Das gilt für ausgebildete Fachkräfte, aber für Angehörige umso mehr.

Wir haben in einem ausführlichen Artikel beschrieben, was Pflege für Familien bedeutet und welche Belastungen auftreten können. Zeit, Geld, emotionale Kapazitäten und körperliche Energie können sich schnell erschöpfen, wenn man neben dem „ganz normalen Alltag“ – egal ob mit Job außer Haus oder Haushaltsführung – die Arbeit als Pflegekraft erledigen möchte.

Hilfe bei der Pflege ohne schlechtes Gewissen

Deswegen gibt es auch keinen Grund für ein schlechtes Gewissen, wenn Sie die Pflege nicht allein „schaffen“ – es macht Ihnen ja auch niemand Vorwürfe, wenn Sie neben dem Job tagsüber im Finanzamt die Nacht über nicht noch als Tankstellenwärter arbeiten können. Oder den Schichtdienst als Eisenbahner nicht mit einem Job in einer Bäckerei vereinen können.

Pflege kann genauso fordernd und aufwändig sein, wie ein zusätzlicher Job. Und natürlich gibt es immer Beispiele von Leuten, die zwei Jobs, Familie und Hobby oder eben Alltag und Pflege mühelos und ohne jede Hilfe von außen vereinen können (scheinbar). Aber eine andere wichtige Frage wäre: Wieso sollten Sie das tun müssen?

Sie können sich immer an einen Pflegedienst wenden und Unterstützung bekommen, wenn Sie bei der Pflege Hilfe haben möchten, einfach Pausen machen oder auch überlegen, ob eine Patienten-WG vielleicht das Richtige für Ihre Familie ist.

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns!

Stress auf der Arbeit: Wenn der Chef den Nerv raubt

Es gibt eine Menge Konflikte, die sich lösen lassen, indem man die Wut im Bauch nicht gleich rausspuckt, sondern vor dem Sprechen nachdenkt. Auch zwei Parteien, die richtig Streit haben, können dann eine gemeinsame Einigung finden. Dazu gehört, die Perspektive des anderen einzunehmen und natürlich offen zu sprechen. Stress kommt in der Pflege mal vor und auch ein guter Chef oder eine gute Bereichsleitung kann nicht immer alles ausbalancieren – solange das die Ausnahme bleibt, gibt es sicher Gesprächsmöglichkeiten.

Es gibt auch Situationen, in denen man mit Methoden konfrontiert ist, die über das normale Maß an „stressbedingt“ unproduktiver Kommunikation hinausgehen. Chefs und Vorgesetzte verhalten sich dabei manchmal wie Partner in einer ungesunden Beziehung. Dann es ist keine Schande, nach einem Versuch, das Problem konstruktiv zu lösen, auch etwas anderes zu suchen. Gerade bei einer emotional aufgeladenen Arbeit wie Pflege belastet so eine Konstellation sonst zu sehr.

Schlechte Chefs erkennen

Ein Chef, der viel schreit, ist nicht automatisch ein schlechter Chef. In manchen Unternehmen ist der normale Umgangston eher ein kollegiales Anschreien. Der Clou dahinter: Alle bauen gemeinsam Stress ab, indem sie schimpfen, fluchen und laut rumtrompeten. Das kann Belastungen freilassen, die „vor den Kulissen“, also zum Beispiel beim Patienten, kein Ventil finden. Wie erwähnt: Pflege ist oft stressig und wer in der Pflege gesund bleiben will, braucht irgendeinen Ausgleich. Wichtig ist, dass die Schreierei nicht gegeneinander läuft, sondern miteinander: „Was ist das wieder für ein Scheiß Tag?“ ist oft weniger ausfallend als „Was haben Sie da schon wieder für einen Mist gemacht?“

Schlechte Chefs neigen allgemein dazu, schwierige Zeiten an Mitarbeitern auszutoben. Stellen Sie sich einen Partner vor, der an jedem stressigen Tag und bei jeder Kleinigkeit gleich droht, die Beziehung zu beenden. Mit so jemandem bleibt man nicht gern zusammen – und von einem Chef, der immer mit der Kündigung oder weniger Geld droht, wenn es im Unternehmen mal nicht rund läuft, sollte man sich auch trennen. Wenn Ihre Vorgesetzte also den Schichtplan nicht auf die Reihe bekommt, darf sie schimpfen – aber nicht den Pflegekräften Angst mit einer möglichen Kündigung machen, wenn sie sich nicht zu unbezahlten Überstunden bereit erklären.

Ein letztes praktisches Wort ist das sogenannte „Gaslighting“. Kurz gesagt geht es ums Lügen oder eher Leugnen von früheren Ereignissen oder Zusagen. Letzte Woche hieß es noch, die Überstunden könnten Sie diese Woche abbauen, aber heute hat ihr Chef das nie gesagt? Das ist ein schlechtes Zeichen. Richtig übel wird es, wenn Ihr Chef solche Vereinbarungen nicht nur „vergisst“, sondern Sie gleich bezichtigt, sich die Vereinbarung eingebildet zu haben. So ein ständiges Futter für die eigenen Selbstzweifel ist ganz bestimmt nicht gesund und sie können nicht mehr gesund in der Pflege arbeiten.

Und was tun, wenn Sie einen schlechten Chef haben?

Wenn Sie miese Verhaltensmuster bei Ihrem Chef entdecken, brauchen Sie nicht sofort kündigen und einen neuen Job suchen. Sie können es auch erst mal mit einem Hinweis versuchen – erstaunlich viele Chefs sind sich gar nicht bewusst, welche extremen Auswirkungen ihre schädlichen Gewohnheiten haben können. Oder sie kennen keine Alternativen.

Wenn das nichts hilft, sehen Sie sich nach einem anderen Unternehmen um. Bei uns zum Beispiel. Wir sind sicher nicht frei von Fehlern und wir machen auch (gelegentlich) welche. Für uns ist wichtiger, für das Gespräch darüber offen zu bleiben. Deswegen kann jeder nicht nur mit seinem Vorgesetzten oder Kollegen sprechen. Sondern im Zweifel auch ein klärendes Gespräch erbitten, bei dem neutrale Dritte dabei sind.

Wenn Sie also einen Neuanfang in der Pflege starten möchten, sehen Sie sich gerne mal unsere Stellenanzeigen an. Vielleicht sind Sie ja schon bald Teil unseres Teams und wir tun uns gegenseitig gut.