Wieso der Pflegebonus statt Anerkennung Abwertung signalisiert

13.05.2022

Wieso der Pflegebonus statt Anerkennung Abwertung signalisiert

Der Pflegebonus 2022 ist auf dem Weg – halbwegs. Und er soll die besonderen Bemühungen der Pflegekräfte in der Corona-Pandemie anerkennen – halbwegs. Dafür gibt es klare Vorgaben zur Verteilung, aber leider nur halbgare Begründungen für die Regeln.

Alles in allem ist der Pflegebonus eine Ausgabe von einer Milliarde Euro durch die Bundesregierung, die für mehr Unruhe sorgt, als dass sie das Gefühl von Anerkennung vermittelt.

Begrenzung auf 1 Milliarde: Ein Publicity-Gag

Die Bundesregierung hat von Anfang an recht deutlich gemacht, wie sie den Pflegebonus plant: Eine Milliarde aufgeteilt in zwei gleiche Hälften für die Altenpflege und die Pflege in Krankenhäusern.

An dieser Herangehensweise und Kommunikation erkennt man, dass die Aktion nicht für die Pflege gemacht war, sondern für alle, die die Politik beobachten. Der Gedankengang war nicht von der Pflege ausgehend – welchen Betrag sollten Pflegekräfte als Anerkennung bekommen – sondern von der Schlagzeile aus: Bundesregierung zeigt Anerkennung mit 1 Milliarde für die Pflege.

Die Argumentation ist natürlich offiziell, dass diese Summe das Ergebnis von Überlegungen ist, welche Ausgaben der Haushalt verkraften kann. Aber nach welchen hochdurchdachten Kriterien kommt man dann bei der schlagzeilentauglichen 1 Milliarde an – und nicht zum Beispiel bei 984 495 283 €?

Viele übersehen

Die Regeln sorgen jetzt ebenfalls für Unzufriedenheit. Beispielsweise werden Menschen, die im Krankenhaus auf einer Bettenstation arbeiten, durch den Bonus anerkannt, wer in der Station nebenan unter erschwerten Bedingungen ambulante Behandlungen durchführte und damit eine stärkere Belastung der Bettenstationen verhinderte, aber nicht.

Andere Kräfte aus der Medizin werden gänzlich ausgelassen: Hebammen, medizinische Fachangestellte und andere Fachkräfte, die beispielsweise bei Tests oder den Impfaktionen freiwillig unterstützten oder abgestellten Kollegen den Rücken freihielten.

Von all denen, die zuhause Angehörige pflegen, sei hier gar nicht gesprochen.

Pflegedienste gehen in Vorleistung

Pflegedienste müssen ihren Angestellten den Bonus übrigens bezahlen und bekommen ihn dann später von den Pflegekassen erstattet. Kein Problem? Wir hoffen, dass die Krankenkassen hier die gute Zusammenarbeit aus Zeiten des Corona-Rettungsschirms wiederholen.

Für die übrigen Versprechen der Politik – verbesserte Arbeitsbedingungen für die Pflege – sieht es übrigens genauso aus: Da arbeiten wir in unseren Bereichen dran, so gut wir können.

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